Vorschule
Alto Anapati, Peru

Worum geht es bei dieser Präsentation?

Die Asociación Semillas para el Desarrollo Sostenible stellt eines ihrer Projekte im Bezirk Pangoa in Peru vor. Das Projekt wurde in direkter Zusammenarbeit mit der Gemeinde durchgeführt und legte großen Wert auf die lokale Beteiligung – durch die Diagnose der wichtigsten Herausforderungen und Ziele und die Beteiligung am partizipativen Designprozess zusammen mit den Architekten. Der endgültige Entwurf berücksichtigt all diese Aspekte und schafft einen Raum, den die Gemeinde ihr Eigen nennen kann. Gleichzeitig zeigt der Prozess, dass es dringend notwendig ist, die Art und Weise, wie Architektur in Amazonien gemacht wird, zu überdenken und die Bedürfnisse der Gemeinschaft und ihres Gebiets von innen heraus zu verstehen.

Die Präsentation führt uns durch die gesamte Geschichte des Projekts, erklärt den Kontext, wie die Gemeinde in den gesamten Entwurfs- und Bauprozess einbezogen wurde und zeigt im Detail, wie das Kindergartenprojekt entworfen und gebaut wurde.

Das Projekt besteht aus drei Kindergartenzimmern, einem Mehrzweckraum, Verwaltungs-, Küchen- und Toiletteneinrichtungen sowie Außenanlagen wie einem Garten, Spielplatz und einem Klassenzimmer im Freien. Es wurde 2018 mit einem Gesamtbudget von 77.000 Eur fertiggestellt.

Präsentiert von Giulia Perri / Asociación Semillas para el Desarrollo Sostenible
Dauer 25 Minuten, Untertitel DE, EN, ES, FR

  • Lessons Learned
  • Lehmblöcke
  • Dachöffnung
  • Querlüftung
  • Design Build
  • Vorschule
  • Gemeinschaftsbeteiligung
  • Community
  • Innenhof
  • Holz

Feedback zur Alto Anapati-Projektpräsentation

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Transkript
Kontext

“Schulen, die Schule machen” Architektur und gemeinschaftliche Beteiligung in der Vorschule Alto Anapati Semillas ist eine NGO Architektinnen und interdisziplinäre Fachkräfte Wir arbeiten seit zehn Jahren kollektiv an transformativen Räumen für Jugendliche im peruanischen Amazonasgebiet. Wir arbeiten, vor allem, in der VRAEM Zone, das Tal der Flüsse Apurimac, Ene und Mantaro, im Herzen des peruanischen Amazonas. Dieses Gebiet, wie auch der größte Teil des peruanischen Amazonas, war lange Zeit in der öffentlichen Politik unsichtbar, obwohl es mehr als 61% des Staatsgebiets ausmacht.

Die schwierigen Zufahrtswege treiben die Investitionskosten in die Höhe und führen zu einer starken staatlichen Vernachlässigung. Darüber hinaus ist die Region weiterhin Opfer von Umwelt-, Kultur- und Menschenrechtsverletzungen und ist heute das Hauptgebiet des Narkoterrorismus im Land. Dennoch sehen wir, wie 44 Sprachen und 31 der 117 Lebensbereiche der Welt im peruanischen Amazonasgebiet weiter existieren und Widerstand leisten. Hier, fehlt es 95 % der Schulen an Wasser und Abwasser, 45 % sind sanierungsbedürftig, weil sie einsturzgefährdet sind, und mehr als 70 % der Bevölkerung haben keinen Zugang zu höherer Bildung.

Die wenige staatlichen Eingriffe werden von der Hauptstadt Lima aus geplant und konzipiert garantieren weder Klimakomfort noch spiegeln sie den kulturellen und geographischen Kontext. In der Schule, geht es genau so. Dort finden wir zwei Arten von Szenarien Zunächst gibt es die prekäre, von den Eltern gebaute Schulen. Und zweitens, gibt es die vom Staat errichteten Schulen mit hohe Investionskosten und sehr geringe räumliche Qualität. In diesen Regionen, fragen wir, wie die Architektur eine wirklich transformative Antwort sein kann. Nach zehn Jahren Arbeit mit der Gemeinschaften und Leben im Gebiet, haben wir gelernt das es notwendig ist zu verlernen, um lernen zu können. zu zuhören, um Räume die ein gutes, gemeinschaftliches Leben widerspiegeln mitgestalten zu können.

Partizipatives Prozess

Wir arbeiten über Kooperationsmechanismen zwischen verschiedene lokale und international Akteuren. Wir arbeiten mit Gemeinden, Ministerien und Universitäten zusammen. Wir arbeiten mit lokale Leuten, mit indigenen Vereinen mit Eltern, und Gemeinschaften. Wir haben unsere eigene partizipative Methodik entwickelt: ein dynamisches Werkzeug das 6 Hauptphasen definiert in denen wir uns einem nicht linearen Prozess hin und her bewegen. Die erste Phase ist die Identifizierung, Dann kommt die ländliche partizipative Diagnostik, die partizipative Design-Workshops, der architektonisches Projekt, was auch die Baugenehmigungen beinhaltet und die Ausarbeitung des technischen Aspekts, die partizipative Bauphase und die Überwachung, womit die Schule in Betrieb geht.

Die letzte Phase, die Überwachung ist, für uns, die wichtigste Phase. Während diese Phase, kommt das Projekt ins Leben Es bietet uns die chance tiefer zu verstehen, was die Nutzungen, Bedürfnisse und Wirkungen des Projektes sind. Aber, wie genau werden diese Projekte ermöglicht? Wie wird diese Methode angewandt? Wie garantieren wir die aktive Partizipation und die Beteiligung alle Akteuren für jedes Projekt? Jetzt erzählen wir, anhand eines unserer Projekte die Alto Anapati Vorschule.

Wir kamen durch das örtliche Bildungsministerium (UGEL Pangoa) in dieses Distrikt, das den Bedarf an einer neuen Vorschule für die Gemeinde festgestellt hatte. Die Vorschule war 12 Jahre lang mit der Unterstützung der Eltern in Betrieb gewesen, aber unter äußerst prekären Bedingungen. Die Klassenzimmer, die aus Holz und einem gespendeten Modul gebaut waren, hatten gravierende Probleme mit der Beleuchtung, der Belüftung und Überschwemmungen. Die Ressourcen waren begrenzt und es gab keine geeigneten Räume für die Entwicklung der Kinder.

Die Küche und der Speisesaal befanden sich in einem unhygienischen Zustand und verfügten über keine ausreichende Belüftung, und die Toiletten entsprachen nicht den grundlegenden Sicherheits- und Hygienestandards. Hier haben wir mit Hilfe verschiedener Verbündeter den Kindergarten gebaut und verwaltet, der später dem Bildungsministerium zur Verwaltung und Nutzung übergeben wurde. Die Finanzierung wurde dürch eine Deutschen Organisation, Fly & Help, bereitgestellt. Die Kofinanzierung wurde von der Distriktsgemeinde Pangoa durch eine Vereinbarung mit Semillas bereitgestellt.

Die Architektur und die Verwaltung wurde von uns, das Verein Semillas para el desarollo sostenible, übernommen Alto Anapati ist eine Nomatsigenga indigene Gemeinschaft und befindet sich 43km von der Haupstadt des Distrikts, San Martin de Pangoa, im Herzen des zentralen Dschungels von Peru. Die einzige Zufahrtsstraße ist ein Feldweg für die man je nach Zustand der Straße zwischen einer und anderthalb Stunden braucht. Dies ist mit recht hohen Transportkosten verbunden.

In Alto Anapati, wie auch in den anderen indigene Gemeinschaft im Amazonasgebiet gibt es kein Privateigentum. Das Gebiet, die Wohnungen, und die gemeinschaftlichen Räume sind im Gemeinschaftsbesitz. Obwohl die traditionelle Wohnungen aus Palmen, Holz und Rohr gebaut werden, wurden in den letzten Jahren die Häuser auf dem Land wieder aufgebaut im Rahmen eines staatlichen Programms um die Lebensqualität zu verbessern. Wir befinden uns also in einer Gemeinde, die sich inmitten einer urbanen Transformation befindet. Um ihre Lebensqualität zu „verbessern“, würden die Bewohner von diesem Typus großer Holzhäuser mit halboffenen Küchen und Ruhezonen im Inneren, in einen 22 Quadratmeter großen Zementblock Bunker mit Glasfenstern und einem Kalamindach, umziehen. Diese sind für Familien mit 4 oder 5 Kindern gedacht.

Partizipative Diagnostik

Dieser Prozess und diese Staatliche Interventionen zeigen, dass es dringend notwendig ist, die Art und Weise, wie Architektur in Amazonien gemacht wird, zu überdenken und die Bedürfnisse der Gemeinschaft und ihres Territoriums von innen heraus zu verstehen. Das erste, was wir tun, wenn wir in der Gemeinde ankommen, ist, Räume für gegenseitiges Lernen zu schaffen. Durch partizipative Diagnoseworkshops lernen wir einander kennen, bauen Vertrauen auf und entwerfen gemeinsame Träume. In diese partizipativen Prozesse versuchen wir, die Stimme jedes Einzelnen zu hören.

Gemeinsam mit den Eltern lernten wir das Gebiet, seine Geschichte, seine sozio-ökologischen Beziehungen und seine vielfältigen Nutzungs- möglichkeiten und Ressourcen kennen. Wir haben darauf geachtet, die Stimme und die Rolle der Frauen, in diesem Fall der am meisten gefährdeten Akteure, sichtbar zu machen. Wir arbeiteten in Workshops mit Kindern und Eltern zusammen die Wechselwirkung zwischen Kindern, ihrer Familie und ihrem Lebensraum zu verstehen. Wir erkunden die Orte, die Kinder in diesem Alter kennen und wiedererkennen: das Haus, den Bauernhof und die Straße, die sie miteinander verbindet.

Wir betrachten die Schule als einen Zuhause-Ort, an dem alle diese Elemente zusammenkommen und an dem das Kind sich selbst erkennen sollte. Mit den Kindern haben wir verschiedene Aktivitäten entwickelt, uns vom Erwachsenenzentrismus zu befreien und aus der Perspektive des Kindes, seiner Wahrnehmung und seiner Vorstellungskraft, zu denken. Schließlich entwickelten wir aus ethnografischen Ansatz heraus Beobachtungsworkshops (wir verkleideten uns als unsichtbare Personen und beobachteten einfach), um die Dynamik des Unterrichts auf der ersten Ebene in einer einheimischen Gemeinschaft zu verstehen.

Design

Wir haben die Nutzung von Räumen beobachtet und aufgezeichnet; wie Kinder spielen; wie sie lernen; und wie sie den inneren und äußeren Raum bei all ihren Aktivitäten nutzen. Gemeinsam mit den Eltern haben wir die Geschichte und die Dynamik des gemeinschaftlichen Lebens sowie die urbane Organisation der Gemeinschaft kennen gelernt, in dem, zwischen den Gebäuden, öffentliche Räume für die entwicklung des Gemeinschaftslebens geschaffen werden. Wir haben mit den Lehrern Design-Workshops auch durchgeführt. Bei der Gestaltung des idealen pädagogischen Raums stellten sie sich ihr Klassenzimmer als ein Klassenzimmer ohne Wände vor, mit einem großen Baum in der Mitte!

Der Wald wird als ursprünglicher Raum zurückgewonnen, in dem Lernen und Erinnerung entstehen. Die Schule beobachtet dann nicht nur die Landschaft, sondern wird ein Teil von ihr. Also haben wir versucht, dasselbe mit der Schule zu tun. Wir schaffen Höfe in verschiedenen Größen, Zwischenräume, und die Außenhöfe werden zu einer Erweiterung der Klassenräume. Wir stellen uns gemeinsam Aktionen vor, und um sie herum gestalten wir die Räume. Diese Aktionen informieren jedes Detail des Projekts.

Projekt

Der Entwurf hat versucht, all dieses Lernen in seiner Räumlichkeit sichtbar zu machen. Das Gebäude befindet sich m Zugangsbereich der Gemeinde und ist auf zwei Blöcke verteilt. Auf der Südwestseite befindet sich der Zugangsblock mit dem Mehrzweckraum, die Verwaltung, die Küche und die Toiletten Der Mehrzweckraum ist ein Klassenraum ohne Wände, der mit dem „Waldklassenzimmer“ verbunden ist, einem als Freiluftklassenzimmer konzipierten Raum. An der Ostseite befindet sich der Klassenraumblock, der sich durch große Schiebewände nach außen öffnet. Damit wird das Außenbereich Teil des Lernraums.

Alle Einfriedungen sind als Grenzen konzipiert, die sich auflösen und den Innenraum mit dem Außenraum verbinden. Die Schule beschränkt sich also nicht darauf, die Landschaft zu beobachten, sondern wird Teil von ihr. Ein Basismodul von 7,5m x 7,5m wird in der Struktur verwendet, um die Ausarbeitung der einzelnen Bauelemente zu vereinfachen, zu wiederholen und zu beschleunigen. Die meisten Materialien, die für das Projekt verwendet wurden, stammen aus der Region, z. B. Holz von den lokalen Wälder, Lehmziegel und Flusssteine, so dass die lokale Produktion und Handwerkskunst erhalten bleiben.

Das Gebäude fügt sich durch eine Architektur mit geringen Umweltauswirkungen in den Kontext ein und steht im Einklang mit der Nachhaltigkeit und den Wartungsmöglichkeiten der Gemeinde. Es sorgt für eine gleichmäßige Belüftung durch kleine Lamellenfenster und erzeugt durch den Kamineffekt einen höheren Wärmekomfort. Der Bauprozess wurde in zwei Hauptbereiche unterteilt: Zimmerei und Mauerwerk wobei der Schwerpunkt auf der Verwendung lokaler Materialien und Methoden lag, die der Umwelt des Amazonasgebietes entsprechen, und auf der Beteiligung der lokalen Bevölkerung.

Für die Tischlerarbeiten wurde Holz der lokalen Tornillo und Mohena-Arten verwendet, das aus den Wäldern der Gemeinde stammt – ein wertvoller Beitrag der Gemeinde. Dieser Prozess begann mit der Identifizierung und dem Fällen der Bäume im Wald, die dann zur Baustelle gebracht wurden. Das Holz wurde in einem handwerklichen Laminierverfahren verarbeitet, das die Herstellung großer Stücke mit Leim und Schrauben ermöglichte. Auf diese Weise entstanden Säulen und Balken, von denen einige eine Länge von bis zu 7 Metern erreichten.

Die strukturelle Montage begann mit der Installation der Säulen, gefolgt von der Verbindung der horizontalen Balken und des Dachbalkens, der oben von einem zentralen Metallring gestützt wurde. Schließlich wurden die Balken und das Dach, bestehend aus OSB-Platten, Abdichtungsmantel und Asphaltschindeln, installiert, wodurch Probleme wie Überhitzung und Lärm durch Regenfälle, die in Schulen mit Blechdächern häufig auftreten, gelöst wurden. Bei den Maurerarbeiten wurden lokale Arbeiter und mit Gemeinschaftsarbeit, bei der die Gemeindemitglieder bei Tätigkeiten wie Layout, Aushub, Gießen von Böden, Säulen und Balken mitwirkten.

Während dieses Prozesses wurden die Gemeindemitglieder geschult, damit sie Pläne lesen und die Bausysteme verstehen konnten, wodurch der Wissenstransfer zwischen Architekten, Lehrern und der Gemeinde erleichtert wurde. Darüber hinaus wurden vier Mitglieder der Gemeinde in das Maurerteam integriert. Für die Wände wurden handgefertigte Ziegel verwendet, die in lokalen Öfen aus Ton hergestellt wurden. Auf der Innenseite wurde Latexfarbe nach einer pädagogischen Farbstudie aufgetragen, während auf der Außenseite eine Mischung aus Ocker, Leim und Wasser verwendet wurde, wodurch sich das Gebäude optisch in die Umgebung einfügt.

Durch Co-Design-Workshops mit der Gemeinde wurden Alltagsgegenstände in die Infrastruktur der Schule integriert und neu gekennzeichnet, so dass sich die Kinder in ihrer Umgebung wiedererkennen können. Die Matten, die traditionell zum Sitzen verwendet werden, wurden Teil der Gebäudehülle und erzeugten ein Muster aus Licht und Schatten. Die Körbe der Indigenen, die zum Transport von Blumen, Feuerholz und Yucca verwendet werden, wurden in Deckenlampen verwandelt. Der Masato-Pajo, der üblicherweise zum Trinken verwendet wird, wurde ebenfalls als Leuchte umfunktioniert. Außerdem wurden die Cushmas, typische Kleidungsstücke der Gemeinschaft, zu einer Zwischendecke geflochten, die das Klassenzimmer vom Korridor trennt und vor Moskitos schützt.

Nutzung

Hier können wir sehen, wie der Entwurf Wirklichkeit wurde: Hier der Innenhof für alle. Der Innenhof zwischen den Klassenzimmern. Die Mehrzweckhalle ist als „maloca“, ein lokaler Treffpunkt, ein überdachter Raum ohne Wände, konzipiert. Hier können sich Kinder und die Gemeinschaft treffen. Ein Lernraum im Freien, den wir „Waldklassenzimmer“ nennen, ein Klassenzimmer unter freiem Himmel in dem Kinder gemeinsam mit der Natur lernen.

Ein einziger Korridor zieht sich durch das gesamte Gebäude und begleitet die Kinder durch verschiedene Szenarien in der Schule: hybride, freie, offene Räume, die die Schule als öffentlichen Raum zelebrieren, in Symbol für Freiheit und Lernen für die Kinder und die Gemeinschaft. Auf die gleiche Weise sind die Klassenzimmer mit großen Schiebetafeln ausgestattet. Sie lassen sich öffnen, falten und verschieben. Sie verbinden die Klassenzimmer mit dem Außenbereich, sorgen für Belüftung und erweitern den Lernraum nach außen. Anstelle von Tischen und Stühlen benutzen die Kinder Matten für die Geschichtenstunde.

Die Vision des indigenen Volkes der Nomatsigenga vom guten Leben verstehen wir als ein Leben in Harmonie mit sich selbst und mit den anderen Lebewesen auf dem Planeten. In diesem Sinne suchten wir in der Alto-Anapati-Schule diese Begegnung – Gemeinschaft, Identität und Natur – durch eine Architektur, die auf der Grundlage der Art und Weise, wie der Raum bewohnt werden sollte, konzipiert wurde: Die wichtigste Auswirkung auf die Nutzer des Projekts liegt in der Möglichkeit, die Mehrzweckräume der Schulen als Gemeinschaftsräume zu nutzen.

Q&A
Wie waren die Reaktionen auf das abgeschlossene Projekt?

Was wir gesehen haben und was sehr gut funktioniert, ist, dass die Gemeinschaft beginnt, einen Raum innerhalb der Schule zu haben und diese Räume nicht nur für pädagogische Aktivitäten, sondern auch für Gemeinschafts- aktivitäten zu nutzen. So wird das Konzept der westlichen Schule zu einem Konzept einer indigenen Schule, die auf gemeinschaftlichem Lernen basiert. Andererseits haben wir einen Einfluss auf die Art und Weise, wie Pädagogik in diesen Räumen betrieben wird, festgestellt.

Natürlich ist dieser Einfluss nicht drastisch, denn die Lehrer, die hierher kommen, sind immer noch Lehrer, die nach einem staatlichen Ansatz ausgebildet wurden, aber wir haben gesehen, dass, wenn wir ihnen Werkzeuge oder Elemente an die Hand geben, die es ihnen ermöglichen, das Klassenzimmer zu bauen und den Raum nach außen zu öffnen, die Lehrer beginnen, diese Möglichkeit auf pädagogischer Ebene zu nutzen und einige der pädagogischen Aktivitäten nach außen zu übertragen. Andererseits wird von den Nutzern sehr geschätzt: die Verbesserung der Belüftung durch die Querlüftung, den Kamineffekt, sondern auch in Bezug auf alle akustischen Aspekte, z. B. durch den Verzicht auf Metalldächer und die Berücksichtigung der Materialien, Zum Beispiel im Fall der Alto Anapati-Schule: OSB-Dächer mit Asphaltschindeln, die zum einen bei Regen einen sehr ruhigen Raum schaffen, was in einem Klassenzimmer unerlässlich ist, und einen viel besseren thermischen Komfort bieten, weil sie viel weniger Wärme im Raum erzeugen.

Wie sieht ein typischer staatlicher Prozess zur Entwicklung des ländlichen Raums aus?

Die Infrastrukturen, die normalerweise vom Staat gefördert werden, sind im Allgemein auf die Stadt Lima ausgerichtet. Peru ist ein sehr zentralisiertes Land, ein Drittel aller Einwohner des Landes lebt in Lima, daher konzentrieren sich alle staatlichen Maßnahmen, insbesondere im Bereich der schulischen Infrastruktur oder des Wohnungsbaus, auf Module, die für ein Küstenklima gestaltet sind. Dieselbe Schule, dieselben Wohnungen, die es an der Küste gibt, gibt es auch im Hochland, in den verschneiten Bergen oder im Dschungel, und das bringt natürlich mehrere Probleme mit sich.

Das erste und offensichtlichste ist die bioklimatische Frage, denn diese Räume entsprechen nicht den Bedürfnissen des Ortes. Zweitens handelt es sich bei den Materialien oft um Zementblöcke, Kalamin, die aus der Stadt kommen, also sehr teuer sind und eine geringe räumliche und materielle Qualität aufweisen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die kulturelle Frage: Diese Räume in Schulen und Wohnhäusern berücksichtigen nicht die Lebensweise der jeweiligen Gemeinschaften, in denen sie sich befinden, so dass die Vorschläge des Staates oft nicht die Lebensweise der Indigenen oder der Gemeinschaften respektieren.

Im konkreten Fall der staatlichen Wohnbauten in einer indigenen Gemeinde handelt es sich um 5 x 5 Module mit separaten Innenräumen, in denen sich das gesamte Familienleben auf sehr kleinem Raum abspielt, während die indigene Lebensweise in in der Regel mit dem Gemeinschaftsraum verbunden ist und die indigenen Häuser meist aus einem großen Dach bestehen in dem sich die meisten täglichen Aktivitäten abspielen und wo sich die verschiedenen Familien treffen können. Ein weiteres Thema, das aus unserer Sicht sehr wichtig ist, ist die Frage der Farbe.

Die vom Staat vorgeschlagenen Gebäude, vor allem Schulen, tragen normalerweise die Farbe der politischen Partei, die sie baut, während wir versuchen, auch die Ästhetik, die Materialien und die Farben, die vorgeschlagen werden, in den Kontext zu stellen. In unserem Fall versuchen wir zum Beispiel, für alle Außenbereiche Farben zu verwenden, die aus Mineralien wie Ocker hergestellt werden, damit sie mit der Farbe der Erde in Verbindung gebracht werden können und sich auf respektvolle Weise in das Gebiet einfügen.

Welche Auswirkungen haben die Gesetzgebung und Bauvorschriften in Peru auf Bauprojekte?

Bei unseren Projekten haben wir von Anfang an versucht, ein Treffpunkt zwischen die Vorschriften und der lokalen Ebene zu sein. Im speziellen Fall von Peru sind die Vorschriften ziemlich streng und sehr auf die Verwendung von Zement ausgerichtet. Daher verwenden wir bei unseren Projekten ein Minimum an Stahlbeton für alle Fundamente und einen Teil der tragenden Elemente wie Säulen und Balken. Der Grund dafür ist, dass die Vorschriften auch sehr hohe Antiseismikstandards erfüllen müssen, da Peru ein sehr erdbeben- gefährdetes Land ist und die Schule der sicherste Ort überhaupt sein muss.

Wir haben es geschafft, Elemente aus Schichtholz einzubauen, aber es ist immer noch ziemlich kompliziert, weil der Staat die Verwendung von Holz nicht generell fördert, aber es gibt Vorschriften, die es uns erlauben, trukturelemente aus Schichtholz vorzuschlagen, in unserem Fall vor allem Säulen und Dachbalken.

Was waren einige der Lessons Learned im Laufe der Jahre?

Zum Thema Lessons Learned Im Laufe der Jahre unserer Arbeit haben wir viele Lessons gezogen und vor allem haben wir von der Nutzung der Schulen gelernt Und zwischen alle diese Lessons Learned ist die wichtigste Lektion ist immer, die möglichst einfache Systeme zu implementieren so dass die Gemeinschaft die richtige Werkzeuge für die Pflege des Raumes zu haben Wir haben gelernt das es wichtig ist, Workshops zur Pflege und Wartung zu geben und diese Informationen zu systematisieren, Eine Weitere große Erfahrung, die wir in den letzten Jahren gemacht haben ist das wir auch Bildungstätigkeiten machen müssen ergänzend zur Architektur so dass die gebäude eine reale Wirkung auf der Bildung haben können.

Andererseits haben wir angefangen zu lernen, dass die in der Verordnung vorgesehen Raumtypologien nicht immer die Bedürfnisse respektieren. Zum Beispiel, wir haben gelernt das Bibliotheken, verstanden von occidentale Aussichten so wie ein Bücher-Lagerhaus mit Tische, passen sich nicht an den den Umgang mit Literatur in der Gemeinschaft an. Das ist mit uns passiert in vergangenen Projekten, wo die Bibliotheken als Lagerräume wirken.

was zu einem sehr tiefen Verständnis und Reflektion geführt hat, über das Vorschlagen von normativen Räumen, während das Gestaltungsprozess, mit Verständnis der lokalen Art und Weise, wie Räume erlebt werden, Wir sind im prozess, diese Räume zu dekonstruiren so dass die mit dem Kontext verbunden sein können.

z.B. in den Bibliotheken geht das Lesen nicht nur um um die Verbindung zu Büchern in ländlichen Orten Es geht auch um die Lesung von Wissen die Erkennung von Pflanzen und Holz die Lesung der Sternen, so dass der Raum existiert, aber dekonstruiert sich in Form und Räumlichkeit Das selbe hat in unsere vergangenen Projekte passiert, wo wir spezialisierte Laboratorien für Wissenschaft und Technik gebaut haben: Der Staat hat einen Raum mit Tische und Waschbecken vorgeschlagen für die Durchführung von Experimenten, Wegen das Wissens des Gebietes, haben wir Räume vorgeschlagen, wo Pflanzen oder medizinische Pflanzen gelagert und getrocknet werden können wo Holz-Erkennung gelernt werden kann, wo das Wissen von der eigene Gemeinschaft gelernt werden kann.

Es ist für uns äußerst wichtig, alle beteiligten sichtbar zu machen. Fly & Help stellte die Finanzierung zur Verfügung und die Gemeinde Pangoa übernahm die Kofinanzierung durch eine Vereinbarung von Semillas. Wir, Asociación Semillas para el Desarollo Sostenible, haben die Architektur und das Projektmanagement übernommen. Viele Akteuren waren Teil der Zusammenarbeit. Eine italiensiche NRO, Comunitá Promozione Sviluppo (CPS), die indigene Gemeinschaft Alto Anapati, die Elternvereinigung, APAFA, der Vorschule, die Distriktverwaltung von Pangoa, der Nationale Programm für Schulernährung, Qaliwarma, KANUJA, die Asháninka Nomatsigenga Union des Pangoa-Tals, als Vertreter der indigene Gemeinschafter der Zone.

Im Bau-Team, zwei unserer Meister, die unsere Verbündeten sind und die zum Team gehören sind Javier Garcia Paucar und Elias Martinez Ramos die ursprünglich aus dem Gebiet sind. Die wunderschöne Fotos die gezeigt worden, stammen Teilweise aus unserem Registratur und die anderen stammen von dem fantastischen Fotograf und Architekt, Eleazar Cuadros.