Nachhaltigkeit

Worum geht es bei dieser Präsentation?

Alternative und nachhaltigere Materialien stehen oft im Mittelpunkt, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit im Bauwesen geht. Dies ist sehr wichtig, da der Bausektor allein für etwa 40 % aller CO2-Emissionen verantwortlich ist und es offensichtlich ist, dass die derzeitige Art und Weise, wie wir bauen, langfristig nicht haltbar ist. Es gibt aber noch viele andere, noch wichtigere Aspekte und Herausforderungen, die wir angehen müssen, wenn wir nachhaltiger bauen wollen. Hier versuchen wir, einen kleinen Einblick in dieses sehr komplizierte Thema zu geben.

Verschiedene alternative Baumethoden wie Stampflehm, Superadobe oder das Bauen mit Plastikflaschen werden mit all ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Außerdem werden viele andere Möglichkeiten und Hindernisse aufgezeigt, wenn man über Nachhaltigkeit spricht – WASH, Wartung, Skalierbarkeit, Akzeptanz des Mangels an lokalen Experten (in diesem Fall Architekten) und viele andere.

Präsentiert von We-Building e.V.
Dauer 30 Minuten, Untertitel DE, EN, ES, FR

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Transkript
Nachhaltigkeit

Eine Welt in der wir in Städten mit Gebäuden aus Lehm leben, existiert bereits. Und sie befinden sich tatsächlich im globalen Süden. Die verschiedenen Lehmstädte des Jemen wurden in zahlreichen Dokus und Artikeln gezeigt. Die Altstadt von Sana’a und die Stadt Shibam gehören beide zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit Hochhäusern aus Lehm, von denen viele hunderte von Jahren alt sind. Diese Städte sind noch immer bewohnte, funktionierende Orte mit Gebäuden, die sehr gut an das lokale Klima angepasst sind. Hier sind auch einige Zeichnungen von diesen Gebäuden zu sehen.

Ein weiteres berühmtes Beispiel sind die Tulou-Wohngebäude in der chinesischen Region Fujian. Diese mehrstöckigen, in der Regel kreisförmigen Gebäude, von denen einige noch aus dem 12. Jahrhundert stammen, stehen noch heute und werden weiterhin genutzt. Die äußere runde Wand besteht aus einer 1,5 Meter dicken Stampflehmschale, während für den inneren Teil Holz oder Ziegel verwendet wurden. Einige von ihnen können bis zu 50 Familien beherbergen.

Im Grunde handelt es sich um ein perfektes Beispiel für ein Wohngebäude mit einer sehr hohen Erdbebensicherheit, die vor allem durch die sehr dicken Wände und die runde Form erreicht wird. Eine Wohntypologie, die auch heute noch sehr gut funktionieren könnte. Natürlich gibt es viele Herausforderungen, um diese oder ähnliche alternative Bauweisen weiter zu verbreiten, gesetzliche Vorgaben, technische Hürden, Zunahme der durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen und Brände. Außerdem sind diese Strukturen nicht billig und erfordern Know-how, das nicht überall vorhanden ist. Aber was wahrscheinlich noch herausfordernder ist: das Leben in solchen Städten würde ein Umdenken in unserem Lebensstil und im Umgang mit der gebauten Umwelt verlangen.

Bausektor

Sind wir überhaupt bereit, uns daran anzupassen? Der Klimawandel ist ohne Zweifel eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Weniger bekannt ist jedoch, wie stark der Bausektor zu den weltweiten Emissionen beiträgt. Oft richtet sich der öffentliche Blick auf den Flugverkehr, dessen CO2-Emissionen stetig steigen. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb bewusst gegen das Fliegen, vor allem bei Inlandsreisen, und nutzen stattdessen die Bahn, da dies das umweltfreundlichste Transportmittel ist.

Dieses Thema hat eigentlich nichts direkt mit dem Bausektor zu tun. Wir nutzen es nur, um ein Gefühl für die Größenordnung zu vermitteln. Der gesamte Anteil des Flugverkehrs an den weltweiten Emissionen lag im Jahr 2023 bei rund 2,5 Prozent. Der Bausektor, also die Art und Weise, wie wir bauen und unsere Gebäude nutzen, war hingegen für 37% aller Emissionen verantwortlich. Das ist eine enorme Menge.

So wie wir Emissionen im Flugverkehr durch unser Verhalten beeinflussen können, gibt es auch im Bausektor Handlungsmöglichkeiten. Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, wie stark unsere Lebens- und Arbeitsräume zu den Emissionen beitragen. Ähnlich wie beim Fliegen werden auch hier die Zahlen weiter steigen. Laut der Internationalen Energieagentur wird sich der weltweite Gebäudebestand, sowohl in der Zahl der Gebäude als auch in der Fläche, bis 2060 verdoppeln. Das hängt direkt mit dem Bevölkerungswachstum zusammen. Von heute rund 8 auf etwa 10 Milliarden Menschen.

Der Großteil dieses Wachstums findet in Städten statt. Bessere Infrastruktur und wirtschaftliche Chancen ziehen weiterhin Menschen in urbane Gebiete, die allerdings noch immer besonders CO2-intensiv sind. Laut den Vereinten Nationen lebten im Jahr 2018 etwa 55 % der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten, ein Anteil, der bis 2050 auf 68% steigen soll. Die gemeinnützige Organisation Architecture 2030 beschreibt die Herausforderung wie folgt. das größte Wachstum in der Geschichte der Menschheit zu bewältigen, werden zwischen 2020 und 2060 voraussichtlich 240 Milliarden Quadratmeter neuer Gebäudefläche zum globalen Bestand hinzugefügt.

Das entspricht der Fläche einer ganzen Stadt wie New York City, jeden Monat 40 Jahre lang. Während in den Ländern des globalen Nordens bereits ein Großteil der Infrastruktur gebaut wurde, wird das Wachstum in Zukunft vor allem in Ländern wie China, Indien und den Staaten des globalen Südens, beispielsweise in Sub-Sahara Afrika, stattfinden. Wir wissen auch, dass es bislang keine echte skalierbare Alternative zu Zement und Beton gibt und damit auch keine umsetzbare Lösung für diese große Herausforderung vor der wir stehen. Dennoch sehen die Bauprojekte, die Teil der Entwicklungszusammenarbeit sind, als etwas, das die Möglichkeit bietet, verschiedene Low-Tech-Lösungen auszuprobieren und zu zeigen, dass einige dieser verschiedenen Ansätze möglich sind und als gleichwertig oder besser als der übliche Weg angesehen werden können.

Und wie sieht es mit der Unterstützung durch lokale Experten aus? Warum unterstützen eigentlich Architekten und Architektinnen aus Deutschland solche Projekte? Zum Beispiel in Ghana, gibt es nicht genug Ghanaische Experten, die so etwas machen können? Naja, die kurze Antwort ist, es gibt sie nicht. Vor allem, wenn es sich um Projekte von NGOs handelt, die äußerst geringe Budgets haben und keine Mittel, um verschiedene Architekturleistungen zu bezahlen. Es gibt viel weniger Universitäten und viel weniger praktizierende Architekten und Architektinnen. Also statistisch gesehen, viel weniger Menschen, die an ehrenamtliche Arbeit interessiert sind.

Fachliche Unterstützung

Werfen wir einen Blick auf einige Statistiken. Für die Zwecke dieser Videopräsentation wurden die folgenden Studien und Umfragen für die meisten Statistiken verwendet. Die Zahlen wurden gerundet, einige geschätzt, einige könnten sich inzwischen geändert haben, da die meisten dieser Umfragen von mehr als fünf Jahren durchgeführt wurden. Ich denke, das spielt keine Rolle. Die Statistiken sind ziemlich selbsterklärend, auch wenn sie leicht abweichen. Das ist der Vergleich zwischen dem sogenannten globalen Norden und dem globalen Süden. In Deutschland sind 63 Mal mehr Architekten und Architektinnen registriert als in Nigeria. In einem Land wie Uganda mit fast 50 Millionen Einwohnern gibt es nach den vorliegenden Statistiken 250 registrierte Architektinnen.

Kenia hat 2.000, bei einer ähnlichen Bevölkerungszahl wie Italien, Italien hat 160.000. Selbst wenn man annimmt und weiß, dass es eine geringere Anzahl von lokalen Experten gibt, sind diese Zahlen erstaunlich niedrig. Natürlich ist die Zahl der Architekturhochschulen und Universitäten proportional zu den vorherigen Zahlen. Diese Zahlen wären nur dann vergleichbar, wenn man wüsste, wie viele Architekturstudenten pro Jahr tatsächlich angenommen werden. Aber um die Sache zu verdeutlichen, sind diese Statistiken mehr als ausreichend. Es gibt viele Länder mit einer Bevölkerung von etwa 20 Millionen, in denen es nur eins bis zwei Architekturschulen gibt. Und nicht nur das.

Ein noch wichtigerer Aspekt ist die Frage, wie schnell sich bestimmte Länder urbanisieren, wobei es offensichtlich ist, da dieser Mangel an Experten in den nächsten Jahren noch deutlicher werden wird. Die Urbanisierungsraten in den meisten Ländern des Globalen Südens sind mit denen des Globalen Nordens nicht vergleichbar. Uganda, mit 250 registrierten Architekten und einer Bevölkerung von 50 Millionen Menschen, hat eine Urbanisierungsrate von 5,3%. Es sieht nicht so aus, als ob der Zuwachs an neuen Hochschulabsolventen in absehbarer Zeit mit der Urbanisierungsrate gleichziehen wird.

Die häufig zitierte Statistik besagt, dass etwa 70% der Gebäude, die im Jahr 2040 in Afrika existieren werden, noch nicht gebaut sind. Die eigentliche Frage ist also nicht, wer die NGOs unterstützen wird, sondern wer alles andere entwerfen wird. Das African Futures Institute, eine Organisation mit Sitz in Accra, Ghana, die verschiedene Veranstaltungen und Workshops durchführt, hat von 2021 bis 2023 eine Reihe von Vorträgen veranstaltet. Sie geben einen kleinen Einblick in dieses Thema, den Stand der Architekturausbildung in Afrika, die Herausforderungen und die Ideen für die Zukunft.

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, beginnt das Gespräch oft und endet leider auch mit der Diskussion über Materialien. Analysieren wir die Situation ein wenig und sehen wir uns die Faktoren an, die unseren Entscheidungsprozess bei der Verwendung alternativer Materialien beeinflussen könnten. Es gibt gute Gründe, warum wir Beton und Stahlbeton für alles verwenden. Es ist ein hervorragendes Material, das schon lange bekannt ist. Bereits in der Römer Zeit wurde Beton für verschiedene Bauwerke verwendet. Und seit der Weiterentwicklung der Technologie zur Herstellung von Zement im 18.

Materialien

Jahrhundert wurde Beton langsam zum wichtigsten Baumaterial. Es ist eine Mischung aus Zement, Zuschlagstoffen wie Sand und Kies und Wasser. Er lässt sich auch von ungelernten Arbeitskräften einfach herstellen, ist relativ leicht zu transportieren und kann in Kombination mit Stahl von nahezu jede bauliche Aufgabe eingesetzt werden. Darüber hinaus ist er sehr langlebig und ist, obwohl nicht völlig wasserdicht, sehr widerstandsfähig gegen Wasser. Leider hat ihre Herstellung einen enormen CO2-Fußabdruck und bietet keinerlei Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft. Einmal gebaut bleibt es fast für immer stehen.

Es ist schwer ihn abzureißen und zu entfernen. Verschiedenen Studien zufolge werden die gesamten Emissionen aus der Zementherstellung einschließlich der Heizstoffe auf etwa 8% der weltweiten CO2-Produktion geschätzt. Es ist also nachvollziehbar, dass überall nach Alternativen gesucht wird. Aber es stimmt auch, es ist äußerst schwer mit Beton zu konkurrieren. Zunächst einmal sollte analysiert werden, welche Teile des Gebäudes überhaupt durch die derzeit verfügbaren alternativen Materialien ersetzt werden können. Wenn von Alternativen wie Bambus und Lehm die Rede ist, bezieht sich das immer auf den oberirdischen Teil des Gebäudes.

Diese Materialien können nur dort verwendet werden, wo sie gut vor Wasser geschützt sind. Das bedeutet, dass alles, was unterirdisch gebaut wird, die Fundamente und die verschiedenen Grundmauern fast immer mit Zement hergestellt werden. Auf diese Weise sind sie widerstandsfähiger gegen Wasser und Kapillarfeuchtigkeit. Die einzige andere Möglichkeit, die nicht auf Zement basiert, ist die Verwendung von Steinen in Gebieten in denen dies möglich ist. Die Bodenplatten sind ein weiterer Teil der Konstruktion, bei dem es sehr schwierig ist, Beton zu ersetzen.

Im Erdgeschoss, wenn die Platte kein tragendes Element ist, ist es viel einfacher, andere Alternativen auszuprobieren, zum Beispiel die Verwendung von Lehmböden. Dies gilt jedoch nur für Gebäude, die nicht stark belastet werden, und bei denen man damit rechnet (und das entsprechende Budget hat), dass diese Böden regelmäßig lackiert und wahrscheinlich alle 10 Jahre oder so erneuert werden müssen. In den oberen Stockwerken ist die einzige Alternative zu Betonplatten normalerweise Holz oder Bambus. Das ist durchaus machbar, aber wenn es richtig gemacht wird, ist es viel komplizierter zu bauen als eine herkömmliche Betonbodenplatte.

Die durchschnittlichen Spannweiten, die man mit diesen alternativen Methoden erreichen kann, sind viel geringer, sodass es bei öffentlichen Gebäuden noch komplizierter wird, Beton zu vermeiden. Dieser Aspekt ist sehr wichtig, um die Diskussion in den richtigen Kontext zu setzen. Oft konzentrieren wir uns ausschließlich auf die sichtbare Spitze des Eisbergs. Ein Beispiel aus einem unserer abgeschlossenen Projekte, das Verhältnis von Ober- zu unterirdischen Zementverbrauch lag bei etwa 1 zu 6. Wenn wir theoretisch die Unterzüge und Stützen durch alternative Materialien ersetzt hätten, hätte das eine Reduktion des gesamten Zementverbrauchs um rund 20% bedeutet. Das ist zweifellos ein bedeutender Anteil, aber eben nicht das, was viele erwarten, wenn über nachhaltiges Bauen gesprochen wird.

Lokale Partner

Theorie und gebaute Beispiele zu kennen ist das eine, sie in einem neuen Projekt praktisch umzusetzen, ist etwas ganz anderes. Besonders dann, wenn man mit Methoden arbeitet, die vor Ort unüblich sind. Ohne lokale Partner mit Erfahrung in solchen Bauweisen funktioniert der Einsatz alternativer Materialien kaum. Lokale Fachleute müssen während des gesamten Bauprozesses eingebunden sein. Fachwissen lässt sich zwar importieren, was bei einigen Design-build oder Prestigeprojekten mit hohem Budget funktionieren kann, ist aber in den meisten Fällen unrealistisch. Es gibt nur sehr wenige Fachleute für Lehmbau oder Bambus, die ein Bauprojekt im Ausland koordinieren könnten.

Und auch sie brauchen Unterstützung vor Ort. Bei We-Building konnten wir alternative Bauweisen nur dank engagierter, oft schwer zu findender lokaler Partner umsetzen. Nur dadurch war es möglich mit Lehmblöcken oder Holzrahmenbau zu arbeiten. Beides noch relativ einfache Bauweisen. Sobald es jedoch um Stammflehm oder Bambus geht, wird es deutlich komplexer. Viele Projekte starten mit grossen Ambitionen, insbesondere in der Wahl alternativer Materialien, scheitern dann aber an hohen Kosten, technischen Hürden oder fehlender lokaler Unterstützung und enden mit konventionellen Bauweisen. Bevor man sich also für ein Material entscheidet, sollte man zuerst lokale Fachleute und Unternehmen finden, bestehende Beispiele prüfen und und Entscheidungen an deren Wissen, Kosten und Verfügbarkeit ausrichten.

Akzeptanz

Oft sind es die Architektinnen und Architekten, die nachhaltige Materialien einsetzen wollen. Aber wichtig ist, auch die Menschen vor Ort von den Vorteilen zu überzeugen. Die oft gehörte Aussage, mit Lehm bauen nur arme Leute, zeigt, dass viele Vorurteile bestehen. Gemeint sind einfache Häuser, nicht lange halten und als wenig attraktiv gelten. Im Grunde ungefähr so, aber es ist auch erwähnenswert, dass es auch so aussehen kann. Oder einmal verputzt auch so.

Wenn man das ändern will, muss man die Gemeinschaft einbeziehen, miteinander sprechen und mit echten Beispielen zeigen, welche Vorteile solche Bauweisen haben. Themen wie CO2-Fußabdruck oder Klimawandel sind oft zu abstrakt. Verständlicher sind bessere Wohnbedingungen, weil die Wände Wärme speichern, Schall dämmen und atmen können oder der positive Effekt auf die lokale Wirtschaft. In den meisten Ländern ist das Baurecht nur selten an die alternativen Bauweisen angepasst. Das bedeutet, dass in den meisten Fällen keine Baugenehmigung für Projekte aus Stammflehm, Plastikflaschen, Superadobe, Bambus oder anderen unkonventionellen Bauweisen erteilt werden kann.

Viele der publizierten Beispiele, bei denen alternative Materialien verwendet wurden, stammen aus kleineren Dörfern und Gebieten, in denen vielleicht gar keine Baugenehmigungen erforderlich sind. Oder die Zeichnungen in den Genehmigungen zeigen andere Materialien als die, die tatsächlich gebaut werden. Es gibt vermutlich viele Umgehungslösungen. Es ist ein Graubereich. Das ist auch der Grund, warum man nachhaltige Projekte viel häufiger in ländlichen Gebieten sieht und viel seltener in den größeren Städten. Und aus genau diesem Grund ist dies der Bereich, in dem die meisten Fortschritte gemacht werden müssen, um alternative Bauweisen im größeren Umfang umzusetzen. Solange nicht in den Bauvorschriften der einzelnen Länder verankert ist, dass eine solche Bauweise rechtlich möglich ist, wird es keine echten großflächigen Veränderungen geben, unabhängig von den vielen inspirierenden Beispielen weltweit.

Instandhaltung

Die Instandhaltung von Gebäuden ist ein zentrales Thema der Nachhaltigkeit. Alle Gebäude, ob aus Beton, Lehm oder Bambus, müssen regelmäßig gepflegt werden. Oft fehlt dafür jedoch das Budget, besonders bei öffentlichen Bauten. Fehlt die Planung für laufende Pflege, sammeln sich Schäden an, bis die Reparatur schließlich mehr kostet als die regelmäßige Wartung selbst. Bei Lehm und Bambus ist der Pflegeaufwand meist etwas höher, doch das sollte kein Grund sein, sie nicht zu nutzen. Regelmäßige Wartung muss einfach Teil jedes Finanzplans sein, auch für Spender und Stiftungen. Was die Baukosten betrifft, sind in der Praxis Bauweisen mit alternativen Materialien meist ebenso kostenintensiv wie konventionelle Konstruktionen, die stark auf Zement basieren. Diese Situation wird sich hoffentlich bald verändern, doch derzeit gilt, alternativ bedeutet nicht billiger.

Einfluss

Einzelne Projekte können großen Einfluss haben, auf Gemeinden ebenso wie auf Fachleuten. Es ist mehr als 20 Jahre her dass Francis Kéré für das Schulprojekt in Gando, das überwiegend mit Lehmblöcke gebaut wurde, verschiedene Architekturpreise bekommen hat. Und auch heute noch sehen weltweit zahlreiche junge Architekten und Architektinnen dieses Projekt als Vorbild an. Zur gleichen Zeit entstand ein weiteres sehr berühmtes und oft publiziertes Beispiel, die METI-Schule in Bangladesch. Aus Lehm und Bambus gebaut, ein Projekt, die Bambusbauweise unter den lokalen Fachleuten enorm populär gemacht hat. Solche Beispiele zeigen, dass die Wirkung weit über das einzelne Gebäude hinausgeht. Doch schlecht umgesetzte Projekte mit alternativen Methoden können das Gegenteil bewirken. Deshalb sind hohe Qualitätsstandards entscheidend.

Andere Ansätze

Allerdings sollte die Nachhaltigkeitsdebatte nicht nur über Materialien geführt werden. Es gibt viele andere Faktoren, die ebenso wichtig oder sogar noch wichtiger sind. Ein Bereich, in dem es in Hinblick auf Nachhaltigkeit noch viele Verbesserungsmöglichkeiten gibt, ist W.A.S.H. In separaten Videos auf dieser Plattform kann man anhand konkreter Beispiele sehen, wie nachhaltige Lösungen umgesetzt worden sind. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Verbesserung im Bereich der ökologischen Sanitärsysteme. Im Allgemeinen geht es darum, die Schwächen von Trockentoiletten in Stärken umzuwandeln.

Vor allem durch das Kompostieren von Fäkalien und das Sammeln von Urin zur Wiederverwendung in der Landwirtschaft. Das kann nicht nur eine Einkommensquelle darstellen, sondern ist gleichzeitig ein sehr nachhaltiger Ansatz, da Ressourcen wiederverwendet und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden. Das Sammeln von Urin ist etwas, das oft übersehen wird, obwohl es mit Abstand am einfachsten umzusetzen ist. Selbst in Situationen mit fließendem Wasser kann man problemlos getrennte Urinale für Jungen und Mädchen einrichten, in denen der Urin gesammelt und weiterverwendet wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der viel mit Nachhaltigkeit zu tun hat, ist der gestalterische und hygienische Anspruch an Toilettenanlagen, also wie sie aussehen und wie sauber sie sind. Diese Faktoren haben direkten Einfluss darauf, wie gut sie gepflegt werden und wie viel Aufmerksamkeit der Instandhaltung geschenkt wird. Denn nur die regelmäßige Wartung garantiert die Langlebigkeit solcher Einrichtungen, unabhängig vom verwendeten Material.

Wenn wir schon Ressourcen aufwenden und CO2 ausstoßen, dann sollten wir das Gebäude so gestalten, dass es einen echten Mehrwert hat. Warum nicht über die reine Funktionalität hinausgehen? Was sich fast immer verbessern lässt, sind die mikro-klimatischen Bedingungen. Und die hängen nicht unbedingt vom Material ab. Querlüftung durch große offenbare Fenster, Dachöffnungen, damit warme Luft entweichen kann, oder der Verzicht auf abgehängte Decken, um das Raumvolumen zu erhöhen. Wenn wir öffentliche Gebäude entwerfen, wie Schulen, Bibliotheken, Kindergärten oder ähnliches, sollte es ein zentrales Ziel sein, bessere Räume zu schaffen. Das ist kein Luxus und es ist weder besonders kompliziert noch teuer. Mit etwas zusätzlichem Aufwand kann man Räume gestalten, die inspirieren, die zeigen, dass ein Raum mehr sein kann als nur vier Wände und ein Dach. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, es macht einen großen Unterschied, wie der Raum aussieht, in dem wir unsere Zeit verbringen.

Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die Frage, wie Gebäude genutzt werden, mit dem Ziel, ihre Auslastung zu erhöhen, damit sie möglichst nie leer stehen. In manchen Projekten wird das bereits umgesetzt, zum Beispiel, wenn ein Raum am Wochenende als Kirche und unter der Woche als Schule dient. Kein ideales oder besonders praktisches, aber dennoch ein sehr nachhaltiges Beispiel. Das funktioniert natürlich nicht überall, aber oft gibt es Möglichkeiten. Klassenräume könnten nachmittags oder abends für Gemeindeaktivitäten genutzt oder vermietet werden, große Mensen könnten für Veranstaltungen offen stehen.

Nutzung

So lässt sich der Nutzen eines Gebäudes fast verdoppeln. Zum Schluss sollte man sich immer fragen, müssen wir überhaupt neu bauen? Vielleicht gibt es wichtigere Bedürfnisse in der Gemeinschaft, denn der nachhaltigste Ansatz ist immer noch, gar nicht zu bauen. Wenn wirklich zusätzlicher Raum nötig ist, kann die Renovierung bestehender Gebäude eine sehr sinnvolle Lösung sein, wie man an diesem Beispiel der Renovierung einer Bibliothek in Kenia sehen kann.

Nachhaltige Baumaterialien

Das bekannteste alternative Baumaterial ist Lehm, da sie überall auf der Welt zu finden ist. Eine Möglichkeit ihn zu verwenden, ist die Herstellung von Lehmziegeln. Die Mischung hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab, aber es handelt sich immer um eine Kombination aus Sand und Ton, normalerweise im Verhältnis 3 zu 1. Diese werden dann in Formen gefüllt und in der Regel auf irgendeine Weise verdichtet. Wird Zement hinzugefügt, in der Regel etwa 4 bis 7%, werden sie als stabilisiert bezeichnet. Das macht sie natürlich zu einer weniger nachhaltigen Lösung.

Hier sind einige Beispiele für luftgetrocknete Lehmziegel, sowie für die komplexeren, komprimierten, stabilisierten Lehmblöcke, die tragend sein und sogar mit Stahl bewährt werden können. Da es sich hierbei um ein recht verbreitetes Baumaterial handelt, kann man in anderen Videos auf dieser Plattform zahlreiche Beispiele sehen, wie Wände aus solchen Blöcken in der Praxis aussehen. Eine andere Möglichkeit wäre die Stampflehmtechnik, die im Laufe der Geschichte immer wieder angewandt wurde, wie wir zu Beginn dieser Präsentation an den Beispielen gesehen haben.

Dabei wird ein Gemisch aus natürlichen Zuschlagstoffen wie Kies, Sand, Schluff und Ton in eine Schalung gerammt, um solide Wände zu schaffen. Hier sieht man eine Rekonstruktion, wie diese Technik vor Hunderten von Jahren in China angewendet worden ist, mit Bambus als Verstärkung. Am grundlegenden Prinzip hat sich seither nicht wesentlich verändert. Gehen wir den Ablauf nun in einer moderneren Variante durch, wie er bei diesem konkreten Projekt in Ghana umgesetzt worden ist. Wie so oft sind die Fundamente der entscheidende Teil.

Diese Mauern können zwar Regen standhalten, sind aber nicht resistent gegen anhaltende Wassereinwirkung oder Kapillarfeuchtigkeit, sodass der Erdteil immer etwas über dem Boden liegen sollte. In diesem Fall wird ein schmaler Fundamentstreifen ausgehoben, einige Zementblöcke werden darauf gesetzt und mit einem kleinen Ringbalken aus Beton abgeschlossen. Wie beim Bauen mit Bambus gibt es auch hier Alternativen, zum Beispiel Fundamente aus Naturstein. Aber in allen Fällen gilt, bei Stampflehmwänden wird der untere Teil, also das Fundament, fast immer auf konventionelle Weise ausgeführt. Das lässt sich auch klar erkennen, wenn man sich die gebauten Wände ansieht.

Kurz darauf hat das Mischen der Erde begonnen. Je nach Standort und Bedingungen wird dabei mit unterschiedlichen Bodenarten und Mischverhältnissen gearbeitet. Es muss immer ein bestimmter Tonanteil vorhanden sein und es wird immer Wasser hinzugefügt. Wie in diesem Abschnitt des Videos gut zu erkennen ist, besonders beim Heranzoomen auf den Zementsack, handelt es sich in diesem Fall um stabilisierten Stampflehm, bei dem etwa 5% Zement beigemischt worden sind. Diese Zugabe, ähnlich wie bei stabilisierten Lehmblöcken, erleichtert den Bauprozess, sodass auch weniger erfahrene Arbeitskräfte die Ausführung übernehmen können. Zudem werden die Wände dadurch wasserresistenter.

Gleichzeitig wird durch den Zusatz von Zement jedoch der nachhaltige Charakter dieser Bauweise deutlich eingeschränkt und stellt die gesamte Idee des Bauens mit Lehm als nachhaltigere Alternative zu üblichen zementbasierten Bauweise in Frage. Abgesehen von der Mischung selbst bleibt die Bauweise der Wände, ob stabilisiert oder nicht, im Prinzip gleich. Der nächste Schritt ist die Schalung. Sie wird in ähnlicher Weise ausgeführt wie bei einer Betonwand. In diesem Fall wird sie selbst hergestellt, in dem Sperrholz mit den Stahlrahmen verbunden wird.

Es gibt jedoch viele andere Möglichkeiten. Man kann Holz, Metall, Sperrholz oder Kombinationen daraus verwenden. Da die Oberfläche der Wände sichtbar bleibt, bestimmt die Art der Schalung auch das Endergebnis. Hier werden sie eine glatte Oberfläche haben, weil Marinesperrholz verwendet wurde. Die feuchte Erdmischung wird in den Schalungsrahmen gefüllt und dann schichtweise verdichtet. Das kann entweder manuell oder mit pneumatischen Geräten erfolgen. In jedem Fall ist es ein arbeitsintensiver Prozess. Die Verdichtung erfolgt schichtweise, etwa alle 10 cm, und die Schalung wird schrittweise weiter nach oben ergänzt.

Sobald die Wand fertiggestellt ist, wird die Schalung entfernt. Zum Schluss werden kleinere Reparaturarbeiten durchgeführt und eventuelle Löcher verschlossen. Ein weiteres Beispiel, das uns für dieses Video freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, stammt von SINA, der Social Innovation Academy, einem selbst organisierten Lern und Gemeinschaftsmodell in Uganda. SINA unterstützt benachteiligte Jugendliche, darunter Geflüchtete, Waisen oder ehemalige Kindersoldaten, dabei eigene soziale Unternehmen zu gründen. Hier ist eines ihrer vielen Projekte, das für uns interessant ist, da es mit nachhaltigem Bauen zu tun hat. Eine der Lösungen führt nach Kampala. Fast überall liegt Plastikmüll herum. In Ugandas Hauptstadt fallen jedes Jahr über 350.000 Tonnen feste Abfälle an. Aber nur die Hälfte davon wird entsorgt.

Ein großer Teil des Plastiks landet auf dieser Deponie. Recycling gibt es kaum. John-Mary Kawuma bezahlt junge Müllsammler dafür, dass sie ihm Flaschen besorgen, die er für den Hausbau verwenden kann. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, gebe ich ihnen Geld dafür, dass sie recyceln und die Umwelt sauber halten. Das gibt mir wirklich Hoffnung, dass die zukünftige Generation einen gesunden Planeten erben wird, den wir vor Plastikmüll geschützt haben. Das hier dargestellte Problem hat zur Gründung von Upcycle Africa geführt, ein mehrfach ausgezeichnetes Sozialunternehmen, das Plastikabfälle in kostengünstige klimaresistente Häuser und nachhaltige Produkte verwandelt.

Eines der ersten Gebäude, das mit dieser Methode gebaut wurde, entstand auf dem SINA-Gelände. Räume haben ein sehr charakteristisches Aussehen mit einer rauen Oberfläche, geprägt von den bunten Flaschendeckeln. Gehen wir den Bauprozess kurz durch. Die leeren Plastikflaschen werden mit jeder Art von Erde gefüllt, die in der Umgebung zu finden ist. Idealerweise mit dem Material, das beim Aushub der Fundamente anfällt. Wichtig ist dass die Erde in den Flaschen gut verdichtet wird. Es ist ein sehr arbeitsintensiver Prozess, hat aber den Vorteil, dass er von jeder Person ausgeführt werden kann.

Danach werden die Flaschen übereinander gestapelt, um Wände zu bilden. Zwischen den Flaschen wird Zementmörtel verwendet, um sie zu verbinden. Die tragende Hauptstruktur bilden die Stahlbetonstützen. In diesem Beispiel wirken sie recht massiv, da auch sie Plastikflaschen als Schalung verwenden. Oben auf diesen Wänden werden dann Betonunterzüge gegossen. Ein hohes Maß an Präzision ist erforderlich, um die Flaschen in einer geraden Linie zu halten. Dafür werden gespannte Schnüre verwendet, die als Orientierung dienen. Was in diesem Video deutlich zu sehen ist ist der hohe Zementverbrauch, für den Mörtel, den Putz und die Stützen selbst.

Die besondere Flaschenform war nicht als Baustein gedacht und erforderte schließlich einen sehr hohen Verbrauch an Zement, um die Elemente zu verbinden und alle wie in vielen anderen Projekten handelte sich auch hier um eine Kompromisslösung. Sie bringt wichtige Aspekte mit sich, die Nutzung von Abfall als potenzielle Ressource, die Stärkung der lokalen Wirtschaft und die Grundlage für ein soziales Unternehmen. Die ökonomischen und sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit wurden also sehr erfolgreich umgesetzt. Aus ökologischer Sicht ähnelt das Ergebnis jedoch noch stark der konventionellen Bauweise.

Die durch diese Wände entstehenden Räume sind sehr angenehm und bieten dank der Wandstärke deutlich bessere mikroklimatische Bedingungen als herkömmliche Zementblockwände. Unter den gegebenen Bedingungen war dieses Projekt absolut sinnvoll. Doch aus vielen Gründen, wie Bauvorschriften, Brandschutz und zukünftigen Fortschritten im Recycling, ist das Bauen mit Plastikflaschen in dieser Form keine Lösung, die sich skalieren lässt oder unsere Umweltprobleme lösen kann. Die eigentliche Botschaft ist eine andere. Dieses Projekt zeigt auf beeindruckende Weise, dass sich nachhaltige Ansätze immer aus den jeweiligen lokalen Gegebenheiten entwickeln und dass gerade in diesen projektspezifischen Unterschieden die größte Chance für mehr Nachhaltigkeit liegt.

Bildnachweise & Haftungsausschluss

Der Großteil des Foto-, Video- und Audiomaterials stammt aus dem eigenen Archiv des We-Building e.V.. Falls zusätzliches Material verwendet wird, ist dies in den jeweiligen Beschreibungen deutlich angegeben.
Besonderer Dank für die Erlaubnis, ihr Foto- und Videomaterial zu verwenden, geht an die folgenden Organisationen: Asociación Semillas para el Desarrollo Sostenible, Caritas Vorarlberg, A-PART, DESWOS, SuSanA, Dream Big Ghana, Faculty of Architecture Ljubljana, Hafiz Abass und SINA – Social Innovation Academy.
Die Inhalte dieses Videos liegen ausschließlich in der Verantwortung von We-Building e.V. Sie geben nicht die Sichtweise von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.