Grundschule
Darmang, Ghana

Worum geht es bei dieser Präsentation?

In diesem Video, das eine Grundschule im Dorf Darmang in Ghana vorstellt, wird der gesamte Projektablauf dargestellt,  von den ersten Gesprächen und dem Vorentwurf bis hin zum Bau und der Projektüberwachung. Die Videopräsentation enthält auch verschiedene Lessons Learned zu Themen wie alternative Materialien und Bauverfahren, Erosion, Wasserverfügbarkeit und andere. Es handelt sich um ein sehr gut dokumentiertes Projekt, bei dem ein oder zwei Freiwillige sechs Monate lang vor Ort waren, um den gesamten Prozess zu überwachen und zu begleiten.

Das Projekt besteht aus 6 Klassenzimmern und einem Toilettengebäude und wurde in Zusammenarbeit mit der lokalen Organisation VPWA durchgeführt. Es wurde 2018 mit einem Gesamtbudget von 72.000 Euro abgeschlossen.

Präsentiert von Ivan Rališ / We-Building e.V.
Dauer 30 Minuten, Untertitel DE, EN, ES, FR

  • Lessons Learned
  • Lehmblöcke
  • Dachöffnung
  • Querlüftung
  • Design Build
  • CSEB
  • Toiletten
  • Baubegleitung
  • Hanglage
  • Innenhof
  • Skelettbau
  • Raphia
  • Ghana
  • Klassenzimmer

Feedback zur Darmang-Projektpräsentation

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Transkript
Entwurf

Das Dorf Damang, 50 Kilometer nördlich von Accra gelegen, ähnelt vielen anderen Dörfern in Ghana. 2014 erkannten die Village Chiefs und die NGO VPWA den Bedarf an einer neuen Schule, um die Bildungssituation zu verbessern, da viele Kinder keine Schule besuchten und die Vorhandene überfüllt war. Seit 2007 ist die Volunteer Partnership for West Africa in der östlichen Region Ghanas aktiv, und hat bereits verschiedene Projekte wie ein Jugendzentrum seit 2011 und eine Street Library für umliegende Dörfer umgesetzt.

Der Bau des neuen Schulgebäudes zielt darauf ab, VPWA’s Engagement zu verstärken und die Unterstützung für die lokale Gemeinschaft zu verbessern. Zu diesem Zeitpunkt war die öffentliche Dorfschule sanierungsbedürftig und hatte zu viele Schüler. Eine andere, privat geführte Schule war ebenfalls überfüllt und befand sich in einem unzureichenden Raum, der sogar keine Trennwände zwischen den Klassenzimmern. Das von der örtlichen Organisation und unseren künftigen Partnern aufgestellte Projektprogramm bestand darin, einen Kindergarten, eine Grund- und eine Sekundarschule sowie Toiletten zu bauen.

Unsere Mitarbeit am Projekt begann zufällig, als der Direktor der VPWA einem ehemaligen Freiwilligen um Unterstützung für das Schulprojekt gebeten hat. Ursprünglich ging es um architektonische Hilfe und Fundraising, doch führte dies zur Gründung des Vereins We-Building, um Fördermittel beantragen zu können. Diese erste Zusammenarbeit war für uns eine bedeutende Lern-Enfahrung. Bei Entwicklungszusammenarbeit sind viele Faktoren wichtig, wie Kommunikation mit lokalen Partnern, Bedarfsermittlung, Recherche und Fundraising. Diese Präsentation konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf Bau- und Designaspekte.

Es handelte sich um ein großes, leeres, vegetationreiches Grundstück, das leicht abfällt und von der Straße aus ansteigt. Dieses neue Gebäude sollte das bestehende Jugendzentrum ergänzen, das nur 100 Meter entfernt liegt. Es befindet sich am Ende des Dorfes und hat eine sehr typische jungleartige Umgebung. Das Dorf dient als Zentrum für zahlreiche kleinere Gemeinden, die etwa eine halbe Stunde Fußweg entfernt liegen.

Die umliegenden Dörfer sind sehr arm und es wird viel mit Lehm gebaut, da solche Bauten von der Gemeinde selbst billig erreicht werden können. Diese Gebäude sind sehr einfach gebaut, erfordern im Laufe der Zeit viele Reparaturen und haben alles in allem keine lange Lebensdauer. Sie sind nicht einmal für die Dauer gebaut. Dies sind einige der Gründe, warum der Lehmbau, obwohl er sehr präsent ist, von den lokalen Menschen als etwas angesehen wird, das mit Armut verbunden ist. Hier sieht man die Ausführung und den unzureichenden Schutz vor Regen, was beim Bauen mit Lehm entscheidend ist.

In diesem Fall wird die Erde im Laufe der Zeit weggespült und damit auch der Schutz der Holzkonstruktion, die als Verstärkung dient. Die übliche Bauweise mit Zementblöcken und Beton gilt als Standard für neue Gebäude und so stellen sich die meisten ein neues Gebäude vor. Die Ansätze, die nachhaltige oder designorientierte Alternativen bieten, stoßen auf zahlreiche Herausforderungen. Lehmbau ist in Ghana tief verwurzelt, wie die seit dem 15. Jahrhundert bestehende Moschee in Larabanga zeigt. Trotz Wartung und Restaurierung steht sie noch und bezeugt Ghanas lange Lehmbau-Tradition.

Die Grundidee war, von der typischen longitudinalen Schulform, die in fast allen Schulgebäuden in der Region zu finden ist, abzuweichen und zu versuchen, ein Konzept zu entwickeln, das für die Grundschulkinder angemessener sein würde. Das Grundstück war groß genug und es gab genug Platz, um ein wenig zu experimentieren. Wir sind von einem typischen Grundriss ausgegangen und haben ihm dann in seine Grundelemente die Klassenräume zerlegt. Jetzt, da wir Grundelemente hatten, konnten wir verschiedene Konzepte ausprobieren, verschiedene Räume schaffen und sehen, was im Rahmen des vorgeschlagenen Programms machbar ist.

Der geplante Komplex soll 12-15 identische Einheiten von ihr 7×7 Meter umfassen, angeordnet um Innenhöfe mit ihr eine Einheit pro Altersgruppe. Dieses modulare Konzept ermöglicht Flexibilität, phasenweisen Bau und Anpassungen ohne Konzeptänderung und schafft eine Atmosphäre ähnlich einer kleinen Stadt statt einer üblichen Schule. Wie erwartet gab es Änderungen im endgültigen Lageplan. Das Toilettengebäude wurde leicht verschoben, das Programm und die Zukunftspläne wurden ein wenig geändert. Die Kernidee der einzelnen Einheiten, die kleinere Höfe formen, ist geblieben. Das Projekt wurde phasenweise geplant und beginnen mit sechs Klassenzimmern für die Grundschule mit der Option zur Weiterung in einigen Jahren.

Es ist essenziell, die zukünftige Entwicklung des Projekts zu bedenken und Möglichkeiten für unterschiedliche Zukunftsszenarien offen zu halten, auch wenn diese letztlich von ursprünglichen Planen abweichen. Nach der Einigung auf das Konzept haben wir festgestellt, dass eine sehr ähnliche Bauweise und Raumaufteilung in der Region Ghana, Togo, Benin weit verbreitet ist. Die typischen Compounds ermöglichen es mehreren Haushalten einen Hof gemeinsam zu nutzen. Diese Typologie ist flexibel, ermöglicht den Neubau von Gebäuden bei neuen Bedürfnissen und macht den Innenhof zum zentralen Wohnraum.

Kleinere Einheiten konnten sich leichter an das geneigte Gelände anpassen und da alle Klassenräume identisch waren, sollte der Bau rationalisiert werden, so dass die Bauarbeiter den Prozess durch Wiederholungen meistern konnten. Ein weiterer Vorteil dieses kreisförmigen Prinzipes besteht darin, dass es die Verwendung von Klassenzimmern als Teil der äußeren Umzäunung ermöglicht, was deren Gesamtlänge und Kosten sehr reduzieren kann. Was die Kosten und Ressourcen angeht, gibt es keinen großen Unterschied zwischen einer Klassenzimmerwand und einer Zaunwand und das kann eine große Belastung für die Finanzierung des gesamten Projekts sein.

Dies waren die endgültigen Pläne. Neben dem zentralen Schulhof in der Mitte waren die kleineren Eingangsbereiche ein weiterer wichtiger Bestandteil des Entwurfs, der ein anderes Maßstabgefühl und eine Abstufung der Räume ermöglichte. Der Klassenraum selbst hat einen Grundriss von 7×7 Metern mit Fenstern auf beide Seiten, die eine Querlüftung ermöglichen und einem weiteren sehr wichtigen Gestaltungselement, nämlich der Dachöffnung, durch die die leichtere heiße Luft nach außen entweichen kann. All dies zusammen mit der Tatsache, dass die Klassenzimmer keine abgehängte Decke haben, wodurch sich das Gesamtvolumen des Raums erhöht, führte zu einem viel besseren Mikroklima im Raum und zu einer viel besseren Lernumgebung für die Schüler.

Lehmsteine

Ein weiterer Aspekt, der die Atmungsaktivität der Klassenzimmer verbesserte und den Zementverbrauch zengte, war die Einführung von stabilisierten, komprimierten Erdblöcken. Diese Lehmblöcke sind eine gute Alternative zu den üblicherweise verwendeten Zementblöcken. Sie bestehen aus einer Mischung aus Erde und Lehm, die in diesem Fall mit Zement stabilisiert wird. Sie wurden erstmals in den 50er Jahren in Südamerika als eine etwas modernere Lehmbautechnik eingeführt. Die Produktion der Blöcke ist arbeitsintensiv und benötigt Maschinen zu pressen. Die charakteristischen Löcher verbessern die Stabilität, indem sie eine Verzahnung beim Einbau ermöglichen.

Zudem lassen sich durch die Löcher Installationen und Rohre führen, ohne Wände aufzubrechen und Verstärkungen wie Stahl, Bambus oder Beton einfügen für zusätzliche strukturelle Stabilität. Die Entscheidung, Material zu verwenden, wurde getroffen, nachdem wir mit Samuel Kontakt aufgenommen hatten, der nur eine halbe Stunde von der Baustelle entfernt seine eigenen Blöcke hergestellt hat. Sein Ziel war es, diese Blöcke lokal zu etablieren und mehr Aufträge zu erhalten. Die Blöcke sind nachhaltiger, preislich mit üblichen Zementblöcken vergleichbar und ermöglichen einen schnelleren Bau.

Die Lehmsteine sind relativ einfach zusammenzusetzen und sie lassen sich fast wie Lego-Steine stapeln. Nach der Fertigstellung einer Wand werden die Fugen mit einem Schlamm auf Erdbasis gefüllt und können so bleiben wie sie sind oder mit verschiedenen Anstrichen gegen Regen geschützt werden. Theoretisch können die Blöcke als volltragendes Wandsystem verwendet werden, wobei die Löcher für die Bewehrung und die U-förmigen Blöcke für die Unterzüge genutzt werden. Aber dies ist eher für den Wohnungsbau gedacht, wo die Räume kleiner sind. In diesem Fall wurde aufgrund des geneigten Geländes der sieben Meter langen Spannweite der Klassenraumwände und einer etwas komplexen Dachkonstruktion beschlossen, ein Betonrahmensystem als Haupttragwerk zu verwenden. Alle nicht tragenden Wände wurden mit gepressten Erdblöcken ausgeführt.

Das Grundstück hatte ein durchschnittliches Gefälle von 10%, wobei es im hinteren Teil des Grundstücks noch steiler war, sodass der Baubereich näher an der Straße konzentriert wurde. Selbst bei kleinen Gebäuden bedeutete dies, dass es von einer diagonalen Ecke zu anderen Höhenunterschiede von fast einem Meter gab. Die Bauarbeiten haben im September 2017 begonnen, um den größten Teil der Trockenzeit zu nutzen und hatten eine voraussichtliche Dauer von sechs Monaten. Das Gelände wurde von Pflanzen befreit und die Positionen der Gebäude markiert, eine Aufgabe, bei der auch Kinder vor Ort geholfen haben.

Bau

Wegen der unterschiedlichen Ausrichtung jedes Klassenzimmers mussten wir jeden Punkt mittels Triangulation mit drei Maßbändern bestimmen. Das Ausgraben, der arbeitsintensivste Teil des Baus, hat begonnen. Sobald die Fundamentgräben ausgehoben waren, konnte man mit der Schalung für die Betonstützen beginnen. Der Bauunternehmer hat vorgeschlagen, die modulare Kunststoffschalung zu verwenden, was eine super Idee war. Im Grunde genommen entfällt damit die Notwendigkeit eine Holzschalung, die im Durchschnitt nur zweimal verwendet werden kann, bevor sie unbrauchbar wird. Die Kunststoffelemente können bei entsprechender Wartung mehrmals genutzt werden.

Bezüglich der Budgetierung war der Preis vergleichbar mit der üblichen Holzverwendung, da Ausrüstung gemietet werden musste. Trotzdem handelt es sich um eine viel nachhaltige Bauweise, da Holz eingespart wird und durch eine hochwertige Ästhetik der Endoberfläche zusätzliches Verputzen unnötig wird, sofern der Beton ausreichend verdichtet ist. Diese Elemente können für alle modularen Elemente verwendet werden, normalerweise für Stützen, wie in diesem Fall, oder für Wände. Wenn sie verfügbar sind, der einzige Nachteil, dass für ihre Verwendung ausgebildete Teammitglieder notwendig sind. Die Fundamentwände werden gerade fertiggestellt.

Alle unterirdischen Elemente werden mit Zementblöcken gebaut. Hier kann man sehen, wie man mit Hilfe von Kunststoffschalungen einen gut aussehenden Sichtbeton erhält, der nicht extra verputzt werden muss. Als die Trägerebene erreicht war, wurde Kunststoffschalung zu verwenden, sodass stattdessen die klassische Schalung mit sogenannten Marienboards an den Seiten verwendet wurde, um eine hochwertige Außenfläche zu erhalten. Die tragende Betonskelet-Bauweise ist hier mit Stützen und Balken sichtbar, bevor die Wände eingebaut werden. Das oberirdische Volumen des verwendeten Betons ist nicht sehr hoch wie man sehen kann.

Der Großteil des Zementverbrauchs findet im Untergrund und in der Bodenplatte statt, also in Elementen vor die es außerhalb von Zementbeton nicht viele Alternativen gibt. Die nächste Phase ist das Dach. Das kleine Dachmodell wurde gebaut, um die Konstruktion besser mit den Zimmerleuten kommunizieren zu können. Es gab keine Missverständnisse, zumal die Zimmerer normalerweise die kompetentesten Arbeiter auf einer typischen Baustelle sind. Das Holz war von sehr hoher Qualität und auch die Arbeitsgeschwindigkeit war beeindruckend. Innerhalb weniger Tage konnte eine komplette Dachstruktur vor einem Klassenzimmer errichtet werden.

Aufgrund der Dachöffnung und des Gesamtkonzepts war die Dachkonstruktion komplexer als üblich und insbesondere die großen Dachstühle werden mit mehr Holz-Elementen ausgeführt, als es der übliche lokale Standard wäre. Dies war eine bewusste Entscheidung, um die Qualität der Konstruktion zu verbessern, von allem weil es bei diesem Entwurf die Dachkonstruktion sichtbar bleiben soll und sich nicht hinter einer abgehängten Decke versteckt. Die Abdichtung bei solchen Projekten wird oft gar nicht gemacht und in unserem Fall wurde nur eine Schicht aus dickerem Kunststoff verwendet.

Das ist zwar kein Ersatz für eine richtige Abdichtung, aber besser als nichts. Im tropischen Klima, mit viel Regen, aber schneller Trocknung und ohne Minustemperaturen stellt Feuchtigkeit ein geringeres Problem dar als in kontinentalen Klimazonen. Das Gießen der Betonplatte ist der nächste Schritt. Hier wird der meiste Beton verbraucht. Die Platte selbst besteht aus fast 8 m3 Beton, alle anderen Elemente aus etwa 5 m3. Leider gibt es im Interesse der Hygiene und eines leicht zu reinigenden Bodens in öffentlichen Gebäuden kein echten Alternativen zu Beton.

Die Erdblöcke werden auf der Baustelle angeliefert und die Bauarbeiten beginnen. Es geht ziemlich schnell. Sie werden im Grunde übereinander gestapelt und das Einzige, was noch getan werden muss, ist, sie mit den tragenden Strukturen zu verbinden und sie gelegentlich mit Stahl und Beton zu verstärken, der durch die Blocklöcher geht. Sobald die Klassenzimmerwände haben, kann man sich ein bisschen besser Eindruck davon verschaffen, wie das Ganze am Ende aussehen wird. Parallel dazu werden die Dachkonstruktion und die Decke fertiggestellt.

Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Aspekt der Schalldämmung und der Ausführung der Decke geschenkt. Da es keine Zwischendecke gibt und die Dachkonstruktion sichtbar sein muss, wird die Decke so ausgeführt, dass sie ein schalldämmendes Sandwich bildet. Mit Holzspänen gefüllte Mückensäcke werden zwischen die Metalldachplatten auf der Oberseite und die Decke aus Raffia auf der Unterseite gepresst. Es ist nicht perfekt, aber es hilft, den auf den Metalldach fallenden Regen zu dämpfen.

Die Raffia-Palme, die als Deckenmaterial benutzt werden sollte, ist normalerweise im gesamten südlichen Teil Ghanas zu finden und wird sehr oft als Material für den Bau von Wänden verwendet, vor allem in kleineren Häusern. Im Vergleich zu Bambus ist sie zwar nicht tragfähig, dafür aber wesentlich resistenter gegen Insekten und benötigt weniger Schutz. Es schien eine interessante Alternative zu Sperrholz zu sein, das normalerweise für Decken genutzt ist. Der Raffia wurde an die Baustelle geliefert, aber er stand zu lange in der Sonne und trocknete zu sehr aus.

Deshalb konnte die ursprüngliche Idee, Paneele aus Palmwedeln zu fertigen, nicht umgesetzt werden, weil sie zu brüchig für eine Verbindung war. Stattdessen musste eine viel mühsamere Methode angewendet werden. Jedes Stück müsste von unten an die Pfetten genagelt werden. Das Endergebnis war wunderbar, ästhetisch sehr gelungen und verbesserte die Rahmenakustik, aber es war ein sehr langer Prozess, der die Bauzeit verlängerte.

Als die Decke fertig war, wurde die Dachöffnung optisch stärker in den Vordergrund gestellt. Sie bringt Licht in den Klassenraumen, lässt aber wie bereits erwähnt, die warme Luft nach draußen und verbessert das Mikroklima im Klassenraum. Als nächstes kamen die Holzfenster läden. Es wurde beschlossen, Schwenkfester zu verwenden, die mehr Flexibilität ermöglichen und Platz sparen, weil sie in geöffneten Zustand nicht tief in den Klassenraum hineinkommen. Wenn sie ganz geöffnet sind, lassen sie ein Maximum an Licht herein. Und wenn sie geschlossen sind, sind die Fensterläden so gestaltet, dass sie keinen Regen durchlassen.

Die Außenflächen der Lehmwände und Holzfenster wurden durch Farbe und Lack geschützt. Zur gleichen Zeit, als die Klassenzimmer gebaut wurden, etwas weiter entfernt die Toiletten errichtet. Es handelte sich mehr oder weniger um eine völlig konventionelle Bauweise, bei der alles sowohl unter- als auch oberirdisch, aus vor Ort hergestellten Sandcrete-Blöcken errichtet wurde. Es ist eigentlich ein schöner Vergleich zwischen zwei Bauweisen. Hier wird deutlich, dass aufgrund der Beschaffenheit dieser Zementblöcke und ihrer Unvollkommenheiten ein zusätzlicher Verputz erforderlich ist, was den Zementverbrauch erhöht.

Aber wegen der vorgesehenen Funktion und der Beschränkung der Erdblöcke, die nicht ideal für feuchte und nasse Umgebung sind, ist die Verwendung von Zementblöcken eine logische Lösung. Es ist viel einfacher, sie zu schneiden und verschiedene Rohre zu verlegen. Man kann ungenau sein und mehr Fehler machen, die bei Installationsarbeiten üblich sind. Später wird sowieso alles verputzt oder mit Keramikfliesen verkleidet. Die Toiletten der Einrichtung sind mit Wasserspülung ausgestattet, sodass eine Klärgrube erforderlich war. In Ghana ist es üblich, Biofil-Klärgruben zu verwenden, die kleiner sind, da ihr Funktionsprinzip darin besteht, den Urin von den Fäkalien zu trennen und Mikroorganismen einzubringen, die den Abbau des biologisch abbaubaren Materials in einer sauerstofffreien Umgebung unterstützen.

Die fertigen Räume sahen wie folgt aus. Es gab viel Licht, die Klassenräume waren aufgrund der größeren Höhe sehr geräumig und der Raum war definitiv kühler und komfortabler als vergleichbare Räume und Klassenräume. Neben den raumklimatischen Vorteilen brachte die Dachöffnung mehr Licht und wurde zum Mittelpunkt des Räumes. Die Fensterläden waren eine schöne Ergänzung und brachten etwas Dynamik in den Klassenzimmer. Vor allem aber war der Blick nach draußen immer auf andere Klassenräume und den Innenhof gerichtet. Und hier sind einige Fotos des fertigen Schulkomplexes. Die Möbel waren der letzte Schritt und danach war die Schule bereit für den Einzug der Schüler und Lehrer unter Beginn des Schuljahres 2018-2019. So verlief der Bau vom Anfang bis zum Ende sechs Monate komprimiert in 20 Sekunden.

Baubegleitung

Dies war das erste Projekt dieser Art an dem wir beteiligt waren. Das Budget war sehr begrenzt und wir hatten keine Erfahrung in Ghana und wir wollten nicht dass etwas Unerwartetes passiert, dass das Ergebnis gefährden könnte. Der Plan war, dass 1-2 Freiwillige mit Architekturhintergrund während der gesamten Bauzeit anwesend sein sollten und den Prozess zu bewachen, alle baurelevanten Fragen zu klären und eine Art Qualitäts/Budget-Kontrolle durchzuführen. Sie sollten als unabhängige Beobachter fungieren, da die Partnerorganisation nicht über die Kapazitäten verfügte, um die Gesamtausgaben zu sichern, haben wir versucht viele Aspekte selbst zu kontrollieren, insbesondere die Materialbeschaffung.

Im Nachhinein gesehen hat das zwar zu einigen Einsparungen geführt, da die Gesamtkosten pro Quadratmeter niedriger waren als bei vergleichbaren Projekten in Ghana, aber es hat definitiv viel Zeit und Mühe gekostet. In Zusammenarbeit mit den Bauunternehmen wurde ein sehr detaillierter Zeitplan erstellt, der mehr oder weniger bis zum Ende eingehalten wurde. Es gab natürlich Verzögerungen, aber alle in einem ganz normalen und logischen Rahmen. Die Freiwilligen vor Ort kommunizierten mit den anderen Projektbeteiligten in Berlin und in diesem Zeitrang wurden hunderte solcher Screenshots gemacht um verschiedene Themen zu besprechen, die auf der Baustelle auftauchten.

Man kann sie in verschiedene Kategorien unterteilen. Die erste umfasste unsere Fragen zu verschiedenen Qualitätsaspekten und Hinweise auf Mängel, die auf der Baustelle festgestellt wurden. Die zweite Kategorie waren die Änderungen, die wir während des Baus vorgeschlagen haben, wenn sich herausstellte, dass etwas besser gemacht werden konnte oder dass einige Aspekte in der Entwurfsphase nicht berücksichtigt wurden und jetzt nachgearbeitet werden mussten. Und schließlich der wichtigste Aspekt, die Beantwortung verschiedener Fragen zu den Bauplänen und das Treffen von Entscheidungen zu alltäglichen Bauthemen.

Wo kommt die Glühbirne hin? Wie sollte das Sperrholz zugeschnitten werden, damit so wenig Reste wie möglich übrig bleiben? Wo ist der Sicherungskasten? Die Festlegung bestimmter Details? Blitzschutz? Regenwasserableitung? Und so weiter. Auf der Baustelle geht es sehr schnell und man muss von einem Tag auf den anderen reagieren. Und es ist unmöglich, Detail und jedes Problem, das auf der Baustelle auftritt, vorherzusehen. Letztendlich ist es aber immer eine Frage der Zeit und wie viel davon man in ein bestimmtes Projekt investieren kann. Daher ist es wichtig, Prioritäten zu setzen. Wie man wahrscheinlich sehen kann, haben wir bei diesem Projekt versucht, uns mit jedem möglichen Detail zu beschäftigen.

Lessons Learned

Das ist etwas, das wir bei späteren Projekten ein bisschen anders gemacht haben. Hier sind also einige andere Lessons learned. Die Materialien die verwendet wurden, waren gut gewählt. Das Holz war von sehr hoher Qualität, der Raphia ebenso, wenn auch ein bisschen zu kompliziert in der Umsetzung. Die gepressten Lehmblöcke waren ebenfalls eine schöne Ergänzung, die den Klassenzimmern eine zusätzliche Qualität verliehen. Die Schwenkfenster sind zwar sehr praktisch und sehen ästhetisch gut aus, haben aber einen wichtigen Schwachpunkt, nämlich den Aspekt der Sicherheit und der Verschließung.

Bei diesem konkreten Projekt hatte die Sicherheit keine so hohe Priorität, aber Fenster wie diese können wahrscheinlich recht leicht aufgebrochen werden, da die verwendeten Schlösser nicht sehr robust sind. Außerdem näht das Auf und Abschließen ein wenig Zeit in Anspruch, da jedes Fenster mit einem Riegel verschlossen werden muss. Die Dachöffnung war ein großer Erfolg und wir versuchten, ähnliche Lösungen in den meisten unserer späteren Projekte zu implementieren oder unsere Partner davon zu überzeugen, etwas Ähnliches zu tun.

In diesem konkreten Fall war die technische Lösung etwas aufwendig, aber es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass eine solche Öffnung auch auf viel einfache Weise möglich ist. Das Mikroklima in diesem Klassenzimmer ist eindeutig viel besser als in den üblichen Räumen mit kleineren Fensteröffnungen und Zwischendecken, die immer auf Deckenventilatoren angewiesen sind, um den Raum bewohnbar zu machen. Wie bereits erwähnt, haben die alternativen Baumethoden, vor allem wenn es um die unterirdischen Teile geht, die gegen Wasser und Feuchtigkeit resistent sein müssen.

Bei diesen Fällen gibt es nicht viele Alternativen zu Zementbauweise. Das Verhältnis zwischen ober und unterirdischen Teilen im Hinblick auf die Verwendung von Zement liegt bei diesem Projekt wahrscheinlich bei 1 zu 6. Wir haben mit dem Bau begonnen, ohne eine feste Wasserquelle zu haben. Wir nutzen das Wasser aus dem Jugendzentrum nebenan, über einen Brunnen mit einem Wasserpumpe verfügte. Sobald die Regenzeit vorbei war und die Trockenzeit begann, versiegte der Brunnen oft.

Da die Baustelle ohne Wasser nicht funktionieren kann, vor allem in der Anfangsphase mit all den zement- und betonintensiven Arbeiten, gab es viele Schwierigkeiten. Das Wasser musste von woanders geholt werden, was die Bauzeit verlängert und zusätzliche Kosten verursacht hat. Erst als das neue Bohrloch fertiggestellt war, es weniger Probleme mit dem Wasser. Die Lektion hier ist, erst eine stabile Wasserquelle sichern und nur dann mit dem Bau beginnen. Durch die Wiederholung derselben Klassenzimmerdesigns haben wir den Bau definitiv rationalisiert.

Das Bauteam wurde mit jedem neuen Klassenzimmer effizienter, das Architektenteam passte einige kleine Details an und es gab viele andere kleine Vorteile. Auf der anderen Seite führte es zu einer Menge Verwirrung. Das Gelände war geneigt und jedes Klassenzimmer war anders ausgerichtet, sodass keines wirklich gleich war. Manchmal war es wirklich schwer zu erkennen, von welchen Gebäuden die Rede war, die Zeichnungen wurden wechselt und alles musste mehrmals überprüft werden.

Rückblickend ist es faszinierend, wie schnell sich die Umgebung der Schule verändert hat. Nur 5 Jahre später gibt es dort so viele neue Gebäude. Auch die öffentliche Schule wurde renoviert und erweitert. Und klar, es ist unmöglich zu wissen, wie die Entwicklung eines bestimmten Ortes aussehen wird. Dennoch sollte man versuchen, die potenzielle Entwicklung in der Diskussion über die aktuellen und künftigen Bedürfnisse der Gemeinschaft einzubeziehen und verschiedene Möglichkeiten zu überlegen, wie sich das Projekt in naher Zukunft entwickeln und verändern kann.

Einer der Fehler die gemacht wurden, war sicherlich, dass man dem Außenbereich nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat und nicht mehr Pflanzen und Bäume gepflanzt hat. Sie waren zwar ein Projekt vorgesehen, aber das Budget und die Zeit reichten nicht aus. Um einen Außenbereich zu schaffen, der nicht schlammig wird und bei Regen nicht ausgewaschen werden kann, wurde alles mit Kies abgedeckt. Es ist eigentlich nicht schwer, sich vorzustellen, wie ein paar Bäume in der Mitte des Hofes die Situation deutlich verbessert hätten.

Hier wurde definitiv eine Gelegenheit verpasst, das Projekt und Standpunkt der Gestaltung und Nutzung her wesentlich besser zu machen. Die Bauarbeiten haben mit der Räumung des gesamten Geländes begonnen und zu bauen muss alles entfernt werden und vor allem in Ghana ist es normalerweise kein Problem, die Vegetation zu entfernen, da alles so schnell nachwächst. Was hier passiert ist und was in allen ähnlichen Situationen sehr einfach passieren kann, ist dass eine aktive Baustelle mit all ihren normalen Aktivitäten, also Maschinen, Transportfahrzeuge, Graben, Ablagen von Materialien, Herstellen von Zementblöcken, Verlegen von Installationen und so weiter, den Boden verdichtet und im Grunde die oberste Schicht des Bodens zerstört.

Dies und die Tatsache, dass wir auf einem geneigten Gelände gebaut haben, wo das Regenwasser den Hang hinunterfließt, führte zu Erosion und machte die Situation noch komplizierter und schwieriger zu kontrollieren. Das ist vor dem Bau, als die Vegetation noch alles zusammenhielt und das Regenwasser gleichmäßiger über das Grundstück verteilt war. Dies ist kurz nach der Fertigstellung der Schule zu sehen. Ein Teil des Geländes hat sich regeneriert, aber der Bereich um das Schulgebäude nicht so sehr. Jetzt lief noch mehr Wasser herunter und drauf auf das Schulgebäude.

Dieses Foto stammt vom Ende der Bauarbeiten und man kann sogar den Weg sehen, über den das Wasser abläuft. Der Innenhof war mit Kies bedeckt, der diesen Teil geschützt hat, aber jetzt konnte das Wasser nicht mehr durch diesen gesamten Bereich fließen, sodass er sich seinen Weg an der Seite östlich des Komplexes gesucht hat. Alles wurde teilweise durch einen neu ausgehobenen Graben saniert, der quer über das gesamte Grundstück verläuft. Er ist extra mit Autoreifen geschützt.

Er hilft, das Wasser vom Schulgebäude wegzuleiten und schützt die Fundamente von einer möglichen Zerstörung, aber auch heute noch besteht das grundsätzliche Problem weiter. Die Regeneration der Landschaft und des Bodens nach dem Bau sollte auf jeden Fall berücksichtigt und budgetiert werden, insbesondere in geneigtem Terrain. Und der letzte Punkt, das Team. Nun das ist keine Neuerkenntnis, aber es ist auch etwas, was man bei jedem Projekt wieder lernt. Wie erfolgreich ein Projekt umgesetzt wird, hängt vor allem von dem Team von Menschen an, die es durchführen.

Je besser das Team, desto höher die Chance auf ein erfolgreiches Projekt. Bei dieser Projektpräsentation haben wir uns vor allem auf die Besonderheiten des Baus konzentriert und in dieser Hinsicht hatten wir alle das große Glück, mit sehr zuverlässigen und fähigen Bauunternehmen zusammenzuarbeiten, die den Bau und das lokale Team sehr gut organisiert haben. Wir haben seither viele andere Projekte gesehen und sind uns im Nachhinein bewusst, wie gut das alles gelaufen ist. Natürlich wurden von allen Beteiligten viele Anpassungen vorgenommen. Es gab Kompromisse, das Budget vor Anfang an knapp und es gab einige spontane Änderungen, die nicht geplant waren, aber im Großen und Ganzen diente alles dem Projekt und ermöglichte eine effektivere Umsetzung.