Frauenhaus Nina Huasi
Cuenca, Ecuador

Worum geht es bei dieser Präsentation?

Nina Huasi ist ein Frauenhaus in Ecuador. Das Frauenhaus der Stiftung Fundación Maria Amor liegt auf 2700m Höhe im Andenhochland in der Umgebung Cuencas, der dritt größten Stadt Ecuadors. Frauenhäuser betreuen Frauen und ihre Kinder, die häusliche Gewalt erfahren haben, und bieten ihnen vorübergehend eine geschützte Unterkunft. Die Errichtung von Nina Huasi wurde von der Caritas Vorarlberg unterstützt.

Besondere Aufmerksamkeit bekam die soziale Nachhaltigkeit. Die Miteinbeziehung des Teams als auch aufgenommener Frauen und Kinder war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Nina Huasi dient als Informationszentrum zu den Themen Gewalt gegen Frauen, ökologisches Bauen und Umweltschutz. Durch den Bau profitierte die Nachbarschaft, Netzwerke wurden ausgebaut und die lokale wie auch internationale Solidarität wurde durch freiwillige Arbeitseinsätze gefördert. Es kamen natürliche Baustoffe wie Lehm, Bambus und Holz zum Einsatz, der Wasserverbrauch wurde durch die Errichtung von Trockentoiletten und Biofilteranlagen reduziert, alternative Energiequellen wurden installiert und ein Permakulturgarten wurde angelegt. Der harmonischer Umgang mit der Umwelt soll auch die Prozesse der Frauen positiv beeinflussen.

Die finanzielle Nachhaltigkeit ist bei jedem Sozialprojekt eine große Herrausforderung- so auch bei Nina Huasi. Es wurde stets darauf geachtet Bau- als auch langfristig Instandhaltungskosten zu reduzieren. Die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit stehen miteinander in Wechselwirkung.

Der Komplex verfügt über insgesamt 1500 m2 bebaute oder rekonstruierte Flächen, die verschiedene Funktionen umfassen – Schlafsäle, Toiletten, Küche mit kleiner Mensa, Büros, Bereiche für Kinder, verschiedene multifunktionelle Räume, sowie verschiedene Außenbereiche wie einen Spielplatz, Garten und andere. Das Frauenhaus Nina Huasi ist seit 2014 in Betrieb

Präsentiert von Miriam Prikryl / Caritas Vorarlberg
Dauer 27 Minuten, Untertitel DE, EN, ES, FR

  • Lessons Learned
  • Bambus
  • Superadobe
  • Querlüftung
  • Design Build
  • Frauenhaus
  • Community
  • Gemeinschaftsbeteiligung
  • Lehm
  • Bahareque
  • Holz
  • Gründach
  • Regenwassernutzung
  • Photovoltaik
  • Trenntoiletten
  • Trockentoiletten

Feedback zur Nina Huasi-Projektpräsentation

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Transkript
Kontext

Nina Huasi ist ein Frauenhaus der Stiftung Fundación María Amor in Cuenca, in Ecuador. Nina Huasi wurde in Zusammenarbeit mit Caritas Vorarlberg von Februar 2012 bis Dezember 2013 errichtet. Seit 2014 ist das neue Frauenhaus der Fundación María Amor in Betrieb. Ecuador liegt im Nordwesten Südamerikas. Cuenca ist die drittgrößte Stadt Ecuadors. Sie liegt auf 2560 Meter. Die Innenstadt ist durch koloniale Bauten geprägt. Das bestehende Frauenhaus, was vor dem Projekt schon bestand, war im Zentrum der Stadt.

Nina Huasi liegt etwas außerhalb. In Ecuador gibt es acht Frauenhäuser. In diesen Frauenhäusern finden von Gewalt betroffene Frauen Unterstützung. Sie werden in diesen Einrichtungen von Sozialarbeiterinnen, Juristinnen und Psychologinnen betreut. Die Unterstützung ist sehr vielseitig. Manchmal reichen einige Beratungsgespräche, andere Frauen brauchen temporär oder auch längerfristig Schutz und eine Wohnmöglichkeit. Die Frauen werden so lange aufgenommen, bis keine Gefahr mehr besteht und bis sie stark genug sind, ihr Leben eigenständig zu meistern. Doch kommen die Frauen meistens nicht alleine. Sie bringen auch ihre Kinder mit. Im Durchschnitt werden bei der Fundación María Amor mit einer Frau vier Kinder aufgenommen. Einige Frauen kommen sogar mit acht Kindern. Das Frauenhaus der Fundación María Amor gibt es seit 2003.

Projekt

Bald war der Platz nicht mehr ausreichend und es wurde nach einer größeren Option gesucht. Das Grundstück des neuen Frauenhauses liegt auf 2700 Metern im ländlichen Raum außerhalb von Cuenca. Auf dieser Höhe wird es in der Nacht oft recht frisch. Bis fünf Grad kippt es ab. Die Straße ist nicht asfaltiert und in der Regenzeit kann es dann schon mal rumpelig werden. Die meisten bestehenden Gebäude wurden renoviert. Insgesamt wurden 890 Quadratmeter Nutzfläche renoviert und 1000 Quadratmeter neu errichtet. Die Planung startete im Juli 2011.

Die ersten Renovierungsarbeiten begannen im Februar 2012. Im Dezember 2013 war dann der Bau vollendet. Im Plan kann man die bestehenden Gebäude die renoviert wurden, in einem dunkleren Grau erkennen. Die helleren Gebäude wurden zugebaut. Rechts oben sehen wir die Cabañas, so wie wir sie aufgefunden haben. Cabañas sind ein längs gestrecktes Haus direkt an der Straße gelegen. Zwei Aulas unten links haben wir ebenfalls erhalten. Rechts unten das Haus mit dem Zeltdach haben wir auch renoviert.

Der vordere Bereich der Cabañas ist das Haus des Wächters. Er ist 24 Stunden am Tag vor Ort. Der mittlere Teil der Cabañas dient der Verwaltung und im hinteren Bereich gibt es auch Platz für Freiwillige. Die mittleren, Türkis gekennzeichneten Gebäude sind den Kindern gewidmet. Dort wird mit ihnen gespielt, gearbeitet. In der Mitte entsteht ein Spielplatz. In dem orange markierten Gebäude, das ist außerdem das Gebäude was schon bestand, was renoviert wurde, wird gearbeitet. Dort befinden sich die Büros, denen die Sozialarbeiterinnen, die Anwältin und die Psychologinnen die mit den Frauen arbeiten. Die grün markierten Gebäude sind die Wohnräume.

Auch vom Team bleibt immer jemand 24 Stunden vor Ort. Somit brauchen auch diese einen Platz. ist dieses orange markierte Gebäude. Und natürlich darf eine Küche nicht fehlen, was auf dem plan in Gelb zu sehen ist. Besonders wichtig war uns die Nachhaltigkeit des Projektes.

Nachhaltigkeit

Begonnen haben wir mit einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Team, um die Bedürfnisse zu verstehen. Um dann ein gutes Raumkonzept zu entwickeln, das gut aufeinander abgestimmt ist. Um die nötigen Quadratmeter zu berücksichtigen, aber auch nicht zu großzügig zu sein und Kosten einzusparen. Auch die Frauen die zu der Zeit aufgenommen waren, waren bei vielen Workshops dabei und haben ihre Meinungen eingebracht. Die Miteinbeziehung der Nachbarschaft trägt zur sozialen Nachhaltigkeit bei. Viele Männer aus der Nachbarschaft haben auf der Baustelle mitgearbeitet.

Zum anderen halfen uns auch Frauengruppen dabei, die Pflanze Sisal zu finden, die wir zum Teil für die Wärmedämmung eingebracht haben. Die Region ist außerdem sehr bekannt für ihre Ziegelproduktion. Und auch wir haben bei unserem Bau Ziegel verwendet, die wir aus der Nachbarschaft bezogen haben. Auf der Baustelle hatten wir Mingas, das sind traditionelle Arbeitsgemeinschaften, mit bis zu 80 Personen an einigen Samstagen. Studenten und Schüler halfen mit, auch machten einige Studenten bei uns ein Praktikum, das sie bei der Uni angerechnet bekamen.

Und halfen uns im Büro, zum Beispiel beim Modellbau oder beim Erarbeiten der Pläne. Der Lehmbau eignete sich perfekt für diese Arbeitsgemeinschaften. Es war uns wichtig, den jungen Leuten eine Message mitzugeben, nämlich, dass man mit Lehm nach wie vor bauen kann, dass man schöne Ergebnisse erzielt. Auch wollten wir sie schulen im Thema Gewalt gegen Frauen. Auch arbeiteten wir mit internationalen Freiwilligen. Im Sommer 2012 kamen zum Beispiel 20 Freiwillige von der Caritas Vorarlberg und packten acht Wochen mit an.

In dieser Gruppe hatten wir zum Beispiel professionelle Handwerker, aber auch einige junge Leute mit nicht so viel handwerklicher Erfahrung. Wichtig ist es, Freiwilligen dann richtig einzusetzen, dass dieses Erlebnis auch ein Erfolg wird. Ein Jahr darauf, im Juli 2013, kam auch eine Freiwilligengruppe aus Ecuador von der Organisation Somos Ecuador. Auch diese halfen uns kräftig. Sie errichteten den Kinderspielplatz. Es war uns wirklich wichtig, möglichst viele Leute zu erreichen, um sie darauf aufmerksam zu machen, das man mit alternativen Baustoffen arbeiten kann und auch andere ökologisch nachhaltige Maßnahmen entsetzen kann. Auch die Frauen und Kinder die damals im Frauenhaus noch in der Stadt aufgenommen waren, halfen bei den Mingas mit. Und auch das Team packte mit an. Was uns so wichtig war zu übermitteln, waren die ganzen ökologischen Aspekte dieses Baus.

Ökologische Nachhaltigkeit

Wir versuchten, viele natürliche Baumaterialien anzuwenden und traditionelle Bauweisen wieder aufleben zu lassen und ihnen einen neuen Touch zu versehen. Die traditionellen Baumaterialien Bums und Lehm haben bei der Gesellschaft keine große Anerkennung. Sie werden als Baumaterialien der Armen angesehen. Umso wichtiger war es, genau aus diesen Materialien ein schönes Ambiente zu schaffen, die bauphysikalischen Vorteile hervorheben und zu zeigen, dass man auch mit diesen Materialien sehr schöne Details ausarbeiten kann.

Naturmaterialien: Holz & Bambus

Zum einen verwendeten wir Holz, sogar vom eigenen Grundstück. Es gab sehr viele Eukalyptusbäume. Die wollten wir lieber durch einheimische Bäume ersetzen, weil Eukalyptus leider ein Bodenräuber ist und nicht sehr viele Nährstoffe für andere Pflanzen übrig lässt. Das war sehr spannend, denn es stellte sich wirklich als herausfordernd heraus, die Bäume zur richtigen Zeit zu fällen, richtig zu trocknen. Es sind uns doch einige Baumstämme dann auch gespalten. Wir haben aber doch fast alle eigentlich einsetzen können. Das war schön. Auch kam Bambus zum Einsatz.

Das ist in der Sierra nicht üblich, denn das wächst eigentlich an der Costa. Aber soweit ist es nicht entfernt. Bis nach Guayaquil dauert es genau vier Stunden mit dem Auto. Das nahmen wir in Kauf und wollten auch Bambus mal in der Sierra ausprobieren. Bambus ist wirklich ein faszinierendes Baumaterial. Es ist so stark und auch so leicht. Man kann riesenlich schöne Details ausarbeiten. Es ist ästhetisch sehr wertvoll. Wir natürlich den Vorteil, dass Bambus in dieser Region wächst und auch zum Bauen verwendet wird.

Das heißt, die Leute wussten genau, wie behandelt gehört. Und wir hatten dann auch noch das Glück, eine ganz tolle Bautruppe zusammengestellt. Die waren außerdem Kolumbianer, besonders in Kolumbien weiß man, wie man mit Bambus arbeitet. Im Innenbereich entstand ein kleiner Indospielplatz, ebenfalls aus Bambus.

Lehmbau & Putztechniken

Wenn man ökologisch nachhaltig bauen möchte, dann gilt natürlich immer das Motto Stay Local. Und es gibt wohl nichts Lokaleres als die Erde aus der Baugrube. Traditionell wurde in Ecuador, besonders in der anderen Region, immer mit Lehm gebaut. Doch mittlerweile kommt Lehm kaum noch zum Einsatz. Häuser werden meistens mit Betonlochziegeln errichtet. Bei Nino Huasi haben wir verschiedene Lehmbautechniken angewandt bzw. auch neu definiert und kombiniert. Bei der Bahareque-Bauweise kommen Holzständerwände bzw. Bambus-Ständerwände. Zum Teil wird Einsatz eine verlorene Schalung montiert, diese dünnen Bambus-Stäbe. In die Mitte wird dann Lehm gefüllt.

Und wenn das dann eine Einheit ist, kann der Putz aufgetragen werden. Diese verlorene Schalung aus den dünnen Bambus-Stäben dient auch als Putzträger. Es war uns sehr wichtig, einen feinen Putz zu erlangen. Dafür haben wir sehr viel herum experimentiert. Auch auf einen schönen Kantenabschluss der auch robust ist, haben wir Wert gelegt. Dafür haben wir bei allen Kanten Jute eingelegt und mit einverputzt. Wie gerade der Grobputz entsteht, dafür haben wir relativ viel Stroh eingearbeitet. Der roten Ziegelsteinchen haben wir von alten kaputtgegangenen Dachziegeln gewonnen.

Haben hier in die Wand hineingesteckt, was ebenfalls geholfen hat, dass der Putz besser an der Wand gehaftet ist. Nach dem Grobputz kam dann noch der Feinputz. Den haben wir sehr kräftig abmalern müssen. Das bedeutet, relativ viel Sand hinzufügen müssen. Hier sieht man, dass wir noch Sisal in die Wände eingearbeitet haben. Das ist eine Pflanze mit Halmen, die sehr viel Luft haben, also eine perfekte Isolierung. Das gesammelte Sisal hat aber nicht für alle Außenwände gereicht. So haben wir auch noch relativ viel Stroh in alle Außenwände hineingemischt.

Unser Dach: hier wie der eine kleine Wärmedämmung bekommt. Auf die Tragkonstruktion kamen Bambusmatten. Und auf die wiederum kam eine Schicht Leichtlehm. Dann noch eine Wasserundurchlässige Schicht. Und darauf kamen die Dachziegeln. Wie allen bekannt ist steigt warme Luft auf. Daher ist eine Dachdämmung sicherlich die effizienteste Dämmung. Die Lehmwände müssen vom Wasser geschützt werden. Ein wasserfester Sockelbereich hält Spritzwasser von den Lehmwänden fern, wenn es regnet. Beide Dachüberstände helfen, das Regenwasser von oben abzuhalten.

Superadobe & Lehmböden

Im Kinderbereich haben wir mit der Superadobe-Bauweise gearbeitet. Das hat sich besonders gut angeboten, nachdem auch im Grundriss runde Formen gewünscht waren. Bei der Super-Adobe-Bauweise werden Plastik-Säcke mit Erde befüllt. Oft werden einzelne kleinere Säcke verwendet. Wir haben uns aber für einen Endlossack entschieden, weil dann die Stabilität besser ist. Der Steinsockel dieses Gebäudes ist mindestens 30 cm hoch. Darauf kommt eine Trennschicht. Und dann kommen die ersten Adobe-Würste. Diese Bauweise ist sehr arbeitsintensiv. Wir haben hier auch die vielen Hände genutzt, die wir hatten von den Freiwilligen aus Vorarlberg.

Bei dieser Bauweise kann man direkt die Erde von vor Ort nehmen, ohne viel hinzufügen zu müssen. Die Erde wird einfach aufgelockert, durchgesiebt, befeuchtet und dann wird sie direkt in die Säcke gefüllt. Und dann werden die Säcke zusammengestampft. Untereinander sind die Säcke mit Holzpfählen verbunden. Außerdem stabilisieren kleine Vorsprünge die ganze Konstruktion. Auch die runden Formen helfen für die statische Stabilität. Mit einem 10 cm hohen Stahlbetondruckring werden die Wände abgeschlossen. Das Dach beruht auf einem unabhängigen Tragsystem, nämlich aus Bambus.

Die ganze Tragstruktur des Daches ist aus Bambus. Und darauf dann ein Gründach. Nachdem die Wände drei bis fünf Wochen getrocknet haben, haben wir dann die Säcke so weit wie möglich entfernt und mit dem Putz begonnen. Beim Verputzen haben uns auch oft Schüler und Studenten geholfen. Die Endarbeiten wurden aber dann immer von gelernten Handwerkern vollendet. Bei der Grundstücksgrenze, die von der Straße ersichtlich ist, haben wir die Steinmäuerchen mit Superadobesträngen erhöht, um besseren Sichtschutz zu gewähren. Hier realisierten wir unsere ersten Superadobe-Versuche.

War es doch sinnvoll, zuerst mit geradlinigen Wänden zu starten. Auch haben wir Lehmböden installiert. Dafür haben wir sehr viele Proben gemacht, die richtige Mischung herauszufinden. Das beste Resultat haben wir bei einer Probe bekommen, wo wir auch etwas Asche hinein gemischt haben. Zuerst gab es eine grobe Schicht und dann wurde eine feine Schicht drüber gearbeitet. Die wurde so lange ausgebessert, bis keine Risse mehr vorhanden waren. Zum Abschluss wurde den Boden mit Leinöl eingelassen. Die Lehmböden in den Wohnbereichen haben relativ lange gehalten, aber nun nach zehn Jahren wurden sie doch ausgetauscht.

Das Herumrücken der Möbel und die wechselnden Bewohner stellen eine Herausforderung dar. Die Lehmböden verlangen einen sorgfältigen, rücksichtsvollen Umgang mit dem Boden an sich und brauchen auch viel Instandhaltungsmaßnahmen. Zum anderen bietet Lehm ein sehr angenehmes Raumklima. Untertags speichert er die Wärme und in der Nacht wenn es kalt ist, wirft er diese langsam wieder ab.

Recycling & Dachbegrünung

Auch viele recycelten Materialien kamen bei den Nina Huasi zum Einsatz. unserem Weg machten wir mit Abbruch Materialien von einer alten Straße. Bloß die kleinen bunten Steine haben wir selber produziert. Einen Drachen am Kinderspielplatz, der aus Altreifen konstruiert wurde. Frauen und Kinder, die mitgeholfen haben, die alten Dachziegel zu säubern, damit sie wiederverwendet werden konnten. Durch die Schaffung von einer Dachbegrünung kann ein Teil der Grünflächen die durch den Bau zerstört wurden, compensiert werden. Zudem helfen die Gründächer auch, der Nacht die Wärmeverluste zu verringern. Unsere Gründächer sind Flachdächer, da ist eine richtig ausgeführte Abdichtung sehr wichtig. Auch muss auf einen Wurzelschutz geachtet werden. Wir hatten das Glück, in Cuenca eine Firma zu finden, die diese Materialien zur Verfügung hatte.

Trockentoiletten & Kompost

Alle neu installierten Toiletten sind Trockentoiletten. Das heißt, man benötigt kein Wasser. In unserem Fall handelt es sich um Trenntoiletten, bei denen wird der Urin von den Fäzes getrennt. Das bringt einige Vorteile. Zum einen werden die Fäzes trockener gehalten und somit gibt es keine größeren Geruchsprobleme. Zum anderen wird der Urin nicht verschmutzt und kann direkt als Dünger verwendet werden. Die Fäzes fallen in einen Behälter der unter den Toiletten angebracht ist hinein. Jeder Behälter ist mit Rollen ausgestattet, damit ein leichter Transport möglich ist.

Bei den Wänden der Sanitäreinrichtungen kam ein gebrannte Ziegel zum Einsatz. Rein theoretisch könnte man auch hier Lehmwände verwenden. Diese müsste man aber für Beder relativ aufwendig imprägnieren. Das erschien uns für so eine Institution nicht sinnvoll. Bei Nina Huasi wird die produzierte Komposterde selbst dafür verwendet. Ansonsten könnte man auch Sägespäne, Asche oder Kalk verwenden. Die Behälter werden in regelmäßigen Abständen zum Kompostplatz zum Entleeren gebracht.

Bei Nina Huasi war es uns wichtig, das ganze Haus rollstuhltauglich zu halten. Daher kam es für uns nicht infrage, die Trockentoiletten, wie es sonst oft üblich ist, anzuheben. Wir sind außen hinunter gegangen und haben ein Rampensystem installiert, um nachher die Behälter wo die Fäzes hineinfallen, einfach abtransportieren zu können. Die Fäzes mit dem Trockenmaterial werden zum Kompostplatz gebracht und dort weiterverarbeitet. Auch der andere biologische Abfall des Hauses kommt hier hinzu. Bei Nina Huasi wird mit Würmern kompostiert. Dieses Produkt nach der Kompostierung ist eine total näherreiche Komposterde, die bei den Gärten am hinteren Teil des Grundstücks verwendet wird.

Grau- & Regenwasser

In Nina Huasi wird das Grauwasser von zwei Biofilteranlagen, Pflanzenkläranlagen, gefiltert. Auf dem Bild sieht man, wie diese Pflanzenkläranlage konstruiert wurde und kann den Aufbruch nachvollziehen. In diesem Fall haben wir hier zuerst vier Vorkammern, wo die Solidenstoffe sich absenken und leichtere Stoffe fettige Stoffe, umschwimmen und dann abgeschöpft werden. Beziehungsweise die Solidenstoffe werden dann in regelmäßigen Abständen aus diesen Kammern wieder ausgehoben. Dann fließt das vorgereinigte Wasser in diese zwei Becken, in denen es durch verschiedene Kiesschichten und auch die Pflanzen weiter gereinigt wird.

Das letzte Becken ist dann das Sammelbecken vom gereinigten Wasser. Hier wird auch noch Regenwasser hinzugefügt. Hier haben wir dann das gefilterte Wasser für die Toiletten der Cabañas wieder verwendet. Außerdem wird das gefilterte Wasser auch für die Bewässerung der Gärten genutzt. Das Regenwasser aller schrägen Dachflächen wurde gesammelt und zu den Wasserreservoirs die auf dem ganzen Grundstück verteilt sind, geleitet.

Solarenergie

Direkt am Äquator herrschen perfekte Bedingungen, die Solarenergie zu nutzen. In Absprache mit Experten wurde dann noch das Dach von der Wäscherei in die optimale Neigung und Orientierung positioniert. Darauf wurden Solarpanele für die Warmwassererzeugung installiert, als auch eine kleine Photovoltaikanlage. Die Photovoltaikanlage dient in erster Linie als Backup. Manchmal fällt der Strom aus und es ist gut, ein wenig Reserve zu haben, dass nicht die Computer sofort alle abstürzen. Auch war es wichtig, das Grundstück und die Wege in der Nacht zu beleuchten, wird es je doch schon relativ relativ früh dunkel in Äquator, ungefähr um 6:30. Hierfür wurden auch kleine Solarlampen installiert, kleine unabhängige Systeme. Die Lampen haben jeweils eine kleine Batterie. So haben wir uns einiges an Verkabelung erspart.

Raumklima & Permakulturgarten

Ein angenehmes Raumklima war uns sehr wichtig. In Nina Huasi liegt auf fast 3000 Meter und in der Nacht kühlt es oft auf 5 Grad ab. Alle Außenwände der Wohnenheiten sind mit Stroh gedämmt. Die Dächer mit Leichtlehm. Die Patios der Wohnenheiten funktionieren wie ein kleiner Wintergarten. Sie sind mit transparenten Stegplatten gedeckt. Wir haben aus sicherheitstechnischen Gründen die Stegplatten genommen, denn normalerweise wird in Ecuador normales Glas und kein Sicherheitsglas verwendet. Das wäre zu gefährlich gewesen. Untertags heizt sich der Patio also auf.

Die Wände der Wohnenheiten, die zum Patio schauen, sind alle aus purem Lehm. Diese übernehmen die Wärme des Patios und speichern sie. In der Nacht wenn es dann kalt ist, geben sie langsam die Wärme ab. Im hinteren Bereich des Grundstückes wurde ein Garten angelegt. Mit der nährstoffreichen Komposterde, dem Wasser, der Graufilteranlage und natürlich der äquatorianischen Sonne gedeiht hier alles. Die Frauen lernen über den Anbau und können sich etwas dazu verdienen. Dazu sagt man, dass die Arbeit mit der Erde sehr heilend wirkt. Nachhaltigkeit besteht aus drei Eckpfeilern. Der ökologischen, der sozialen und der ökonomischen Nachhaltigkeit. Durch verschiedene Maßnahmen konnten wir bei Nina Huasi auch auf die ökonomische Nachhaltigkeit Einfluss nehmen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Während des ganzen Projekts hielten wir Ausschau nach Sachspenden. So hielten wir zum Beispiel die meisten Fließen umsonst. Auch möchte Nina Huasi vorzeigen, wie man durch Recycling Kosten reduzieren kann. Es ist uns Bambus übrig geblieben. Aus dem konnten wir den Kinderspielplatz errichten. Auch konnten wir damit noch eine zusätzliche Umzäunung gestalten, die notwendig war, um noch mehr Sichtschutz und Schutz im Allgemeinen zu bieten. Durch die Nutzung erneuerbarer Energien können auch langfristig die monatlichen Ausgaben von Nina Huasi gesenkt werden. Die Erträge des Permakulturgartens werden verkauft bzw. beim Catering-Programm verwendet. Die aufgenommenen Frauen können so ein neues Handwerk erlernen, um ökonomisch unabhängig zu werden.

Umsetzung

Bei der Umsetzung des Projektes hat es uns sehr geholfen, dass meine Kollegin Marion Burger als Projektleitung und ich als Architektin permanent vor Ort waren. So wie bei jedem Projekt gab es natürlich kleinere und größere Herausforderungen. Die größte Herausforderung kam allerdings erst nach der Fertigstellung, nämlich das Bespielen der ganzen Anlage und die Instandhaltung. Lehmwände müssen öfters gewartet werden wie andere Wände. Die Behälter der Trockentoiletten müssen regelmäßig geleert werden, der Kompost muss bearbeitet werden und der Biofilter verträgt nicht jedes Putzmittel. Sowohl das Personal als auch die aufgenommenen Frauen die sehr häufig wechseln, müssen permanent geschult werden. Und das alles neben den täglichen Aufgaben des Frauenhauses. Nina Huasi bedankt sich bei allen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen und Institutionen, die bei dem Projekt mitgewirkt haben.