Sanitärversorgung
Kikandwa, Uganda

Worum geht es bei dieser Präsentation?

Das Sanitärprojekt an der St. Mark Kikandwa Grundschule in Uganda wurde von Ingenieure ohne Grenzen e. V. gemeinsam mit der lokalen NGO SUUBI Community Projects umgesetzt. Ziel war es, die unzureichende Sanitärversorgung der rund 700 Schüler*innen zu verbessern und eine nachhaltige Lösung für den Schulalltag zu schaffen.

Kern des Projekts war der Bau von Trockentrenntoiletten, die ohne Wasser funktionieren, hygienisch sicher sind und deren Endprodukte nach entsprechender Behandlung als Dünger genutzt werden können. Die Technologie ermöglicht einen kostengünstigen Betrieb und kann von der Schulgemeinschaft selbst gewartet werden.

In zwei Bauphasen entstanden insgesamt 19 Toilettenkabinen und vier Waschräume. Trotz pandemiebedingter Einschränkungen konnte das Projekt durch enge Zusammenarbeit, regelmäßige Kommunikation und gezielte Schulungen erfolgreich umgesetzt werden.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit zwischen der lokalen Organisation SUUBI Community Projects und Ingenieure Ohne Grenzen durchgeführt.

Dieses und ähnliche Projekte von Ingenieure ohne Grenzen könnt ihr gerne hier unterstützen!

Präsentiert von Lara Bergfelder / Luisa Fuest / Ingenieure Ohne Grenzen
Dauer 21 Minuten, Untertitel DE, EN, ES, FR

  • Lessons Learned
  • Erhöhter Baustandard
  • Baubegleitung
  • Trenntoiletten
  • Kompostierung
  • Uganda
  • Trockentoiletten
  • Regenwassernutzung

Feedback zur Kikandwa-Projektpräsentation

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Transkript
Stakeholder

Die St.-Mark-Kikandwa Grundschule befindet sich in Kikandwa, Uganda, etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt Kampala. Vor Projektbeginn verfügte die Schule über 14 Grubenlatrinen, die jedoch für die damals rund 700 Schüler:innen nicht ausreichten und nahezu gefüllt waren. Aufgrund der unzureichenden Sanitärversorgung drohte der Schule die Schließung. Deshalb wandte sie sich an die ugandische NGO SUUBI Community Projects. 2020 leitete SUUBI die Anfrage an Ingenieure ohne Grenzen e.V., kurz IOG, weiter. IOG ist eine gemeinnützige Organisation, die gemeinsam mit lokalen Partnern Grundversorgung mit Wasser-, Strom und Sanitäranlagen sowie Bildungseinrichtungen auf- und ausbaut.

Unsere Regionalgruppe in Aachen startete zusammen mit SUUBI Community Projects im Dezember 2020 das Projekt, um die Sanitärversorgung an der St.-Mark Grundschule zu verbessern. Insgesamt haben wir in diesem Rahmen 19 Toilettenkabinen und vier Waschräume an der Schule errichtet. Alle Projekte bei Ingenieure ohne Grenzen gliedern sich in drei Phasen: das Assessment, die Implementierung und die Evaluation. Während des Assessments erarbeiten wir typischerweise vor Ort im Dialog mit unserer lokalen Partnerorganisation und den Projektteilnehmer:innen, worin genau das Problem besteht, welche möglichen Lösungsansätze es gibt und ob wir in der Lage sind zu unterstützen.

In der Implementierungsphase wird die Infrastruktur von lokalen Arbeitskräften gebaut. Darüber hinaus vermitteln wir den Projektteilnehmer:innen das notwendige Wissen, um die Infrastruktur zu nutzen und zu warten. Das Projekt an der St.-Mark-Kikandwa Grundschule haben wir in zwei Schritten umgesetzt. In jedem Schritt wurde ein Teil der Sanitärinfrastruktur gebaut. Die letzte Phase unserer Projekte ist die Evaluation. In dieser Phase wird überprüft ob die Projektziele erreicht wurden und ob gegebenenfalls weiterer Bedarf besteht.

Die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen ist maßgeblich für den Erfolg unserer Projekte. In diesem Projekt arbeiten wir mit SUUBI Community Projects zusammen. SUUBI ist eine ugandische NGO, die sich für den Zugang zu sauberem Wasser, eine verbesserte Gesundheitsversorgung und eine bessere Lernumgebung an Schulen einsetzt. Wir standen und stehen in engen Kontakt mit Steven Bengana, dem Gründer und Leiter von SUUBI. Ein weiterer wichtiger Partner in diesem Projekt war das Bauunternehmen Curve. Es handelt sich dabei um ein recht junges Bauunternehmen mit guten Verbindungen zu unserem Projektpartner.

Das Unternehmen erhielt in beiden Implementierungen den Zuschlag für die Ausschreibung. In dem Projekt kommunizierten wir hauptsächlich mit Kenneth Kasobia, einem Ingenieur und dem Leiter von Curve. Die direkte Kommunikation mit den Arbeiter:innen war hingegen eingeschränkt, was auch an der Sprachbarriere lag. Während des Assessments identifizierten wir die Schulleitung, die Lehrkräfte, die Eltern und den Träger der Schule, die Church of Uganda, als wichtige Stakeholder. Die Stakeholder sind in zwei Gremien organisiert. Der Parents Teacher Association und dem School Management Committee.

Über diese Gremien konnten wir einfach mit den Stakeholdern interagieren und Entscheidungen gemeinsam treffen oder überdenken. Zum Beispiel äußerte ein Mitglied der Parents Teacher Association Bedenken hinsichtlich der Größe der Wassertanks, wodurch wir den Wassertank größer bauten als ursprünglich geplant. Zusammen mit der Schulleitung und den Lehrkräften wurden sogenannte Caretaker ernannt. Caretaker sind Lehrkräfte, die besondere Verantwortung für die Toiletten tragen und beispielsweise einfache Wartungs und Reinigungsaufgaben organisieren. Mit diesen Caretakern führten wir besonders detaillierte Workshops durch. Die Schüler:innen der St.-Mark-Kikandwa Grundschule sind größtenteils 6 bis 13 Jahre alt.

Vereinzelt gibt es jedoch auch ältere Schüler:innen im Alter von bis zu 19 Jahren. Dies musste auch in der Planung der Sanitäranlagen berücksichtigt werden, zum Beispiel bei der Auslegung der Löcher der Toiletten. Die kleinsten Schüler:innen in den Jahrgangsstufen P1 bis P3 lernen noch kein Englisch. Deshalb konnten wir nur indirekt mit ihnen kommunizieren. Auch der Einsatz von Fragebögen war dadurch erschwert. Unser Bildungskonzept für die Schüler:innen sah jedoch ohnehin vor, dass wir Workshops mit den Lehrkräften zu Unterrichtsmethoden durchführen.

In diesen Workshops erarbeiteten wir mit den Lehrkräften Unterrichtsmethoden zu den Themen persönliche Hygiene und korrekte Nutzung von Trockentrenntoiletten. Die von uns zusammengestellten Arbeitsmaterialien für die Lehrkräfte waren auf Englisch und erhielten nach Möglichkeit viele Bilder. Viele Unterrichtsmethoden setzten jedoch nicht auf Arbeitsblätter aus Papier, sondern beispielsweise auf mit Kreide auf den Klassenboden gemalte Löcher, wie sie in der Trockentrenntoilette zu finden sind. Das ist sinnvoll, da die Schule die Methoden so immer verwenden kann und nicht auf ausgedrucktes Material angewiesen ist. Nach der Vorstellung der wichtigsten Beteiligten widmen wir uns nun den einzelnen Projektphasen, beginnen mit dem Assessment.

Für die Erkundung der Schule im Jahr 2021 konnten wir aufgrund der Corona-Pandemie nicht selbst nach Uganda ausreisen. Deshalb besichtigte die NGO Engineers Without Borders USA von ihrem Field Office in Uganda aus die Gegebenheiten vor Ort. Im Vorfeld erarbeiteten wir zahlreiche Fragen zur Situation an der Schule, zu den von den Verantwortlichen wahrgenommenen Problemen bezüglich der Toiletten und den verschiedenen Stakeholdern. Außerdem planten wir vor Ort verschiedene Proben in einem Labor auswerten zu lassen.

Assessment

Engineers Without Borders USA erhob für uns alle gewünschten Daten und stellte in einem Gespräch mit den Stakeholdern mögliche Toilettenarten für den Bau an der Schule vor. Schließlich entschieden wir uns gemeinsam mit den Stakeholdern für den Bau von Trockentrenntoiletten. Bei Trockentrenntoiletten werden Urin und Fäzes bereits beim Toilettengang getrennt. Der Urin fließt pro Kabine in einen Kanister der regelmäßig geleert und in einen großen IBC-Tank geschüttet wird. Nach etwa sechs Wochen haben sich die Pathogene dann so weit reduziert, dass der Urin verdünnt und als Dünger verwendet werden kann.

Jede Kabine verfügt über zwei Fäzeskammern, die im halbjährlichen Wechsel benutzt werden. Nach jedem Toilettengang wird etwas Deckmaterial, zum Beispiel Asche, auf die Fäkalien gegeben, wodurch diese trocknen. Nach sechs Monaten Trocknung in denen die andere Kammer benutzt wird, können die Fäkalien zusammen mit weiteren organischen Abfällen kompostiert und anschließend als Dünger verwendet werden. Die Produktion von Dünger war für die Schulgemeinschaft das überzeugendste Argument, sich für die Trockentrenntoiletten zu entscheiden. Es gibt jedoch auch andere Vorteile.

Zum Beispiel funktionieren die Toiletten ohne Wasser und das trockene Material bildet keine Gerüche, die Insekten anziehen würden. Darüber hinaus können die Kammern mit geringer Schutzausrüstung selbst entleert werden, während bei Grubenlatrinen Unternehmen engagiert werden müssen, die die Tanks auspumpen, wobei natürlich Kosten entstehen. Kurzum, wir sind von der Technik überzeugt. Nach dem Assessment und der Entscheidung für die geeignete Technologie folgte die erste Phase der Implementierung.

Implementierung

Da wir für die Erstellung der Baupläne und die Planung der Workshops zur Instandhaltung der Toiletten etwas Vorlauf benötigen, beschlossen wir zur Überbrückung, den vollen Tank der Grubenlatrinen einmalig auspumpen zu lassen. Da vor unserer ersten Implementierung ein höherer Bedarf an neuen Toiletten bestand, planten wir zunächst den Bau eines Toilettengebäudes für Jungs mit sechs Kabinen. Außerdem wurden eine barrierefreie Toilette geplant, die auch von den Lehrkräften genutzt werden kann. Auch die Implementierung fand zunächst remote statt.

1. Bauphase

Da wir während des Baus nicht vor Ort sein konnten, versuchten wir über Bilder, Videos und Telefonate so viel wie möglich mit unserem Projektpartner SUUBI und der lokalen Baufirma zu kommunizieren. Das funktionierte weitestgehend gut. Jedoch konnten wir dadurch nicht jeden Schritt im Detail verfolgen. Dies führte zum Beispiel dazu, dass die Baufirma im Gang der Jungentoiletten eine Urinrinne baute, die so nicht in den Plänen vorgesehen war. Das war zwar eine gute Idee, aber es zeigten sich nach dem Bau einige Feuchtigkeitsprobleme in der Zwischendecke, deren Ursache wir aufgrund der baulichen Veränderung dann nicht genau nachvollziehen konnten.

Zum Glück legten sich die Probleme nach einiger Zeit von selbst. Pünktlich zur Bauabnahme waren Reisen nach Uganda wieder möglich, sodass unser Ausreise-Team die Toiletten besichtigen und letzte Änderungen vornehmen konnte. Die Ausreise diente außerdem dazu, die Beziehung zu unserem Projektpartner und der Schulgemeinschaft zu festigen, weitere Daten an der Schule zu erheben und Workshops durchzuführen.

Workshops

Die Workshops bereiteten wir zu vier Themenbereichen vor. Die Zielgruppe der Workshops sind nicht die Schüler:innen, sondern hauptsächlich die Lehrkräfte. Diese wollen wir ausbilden, damit sie ihren eigenen Unterricht zu den Themen durchführen können. Der erste geplante Workshop behandelte das Thema persönliche Hygiene und ging dabei auf das richtige Händewaschen ein. Da in Gesprächen mit der Schulgemeinschaft jedoch klar wurde, dass Wissen dazu vorhanden ist und der Unterricht zu diesem Thema bereits sehr gut ist beschlossen wir, diesen Workshop auszulassen.

Wir haben hauptsächlich Workshops vorbereitet, in denen es um die trockenen Toiletten geht. Es gab einen Einführungsworkshop, der von allen Lehrkräften besucht wurde. Diesen haben wir bewusst am Anfang der Bauarbeiten gehalten, um der Schulgemeinschaft den Hintergrund für die Baustelle näher zu bringen. In einem Vertiefungsworkshop wurden weitere Themen wie die Kompostierung und die baulichen Komponenten der Trockentrenntoilette behandelt. Schwierigkeiten die wir bei der Durchführung feststellten, waren zum einen einen guten Zeitpunkt für die Workshops zu finden, denn die Lehrkräfte betreuen den ganzen Tag lang ihre Schulklassen. Und zum anderen die Aufmerksamkeit der Teilnehmer:innen zu behalten. Wir lernten, dass langes Sitzen während der Workshops nicht zielführend ist, während die Vermittlung der Inhalte beim Gang über die Baustelle viel besser ankommt.

In der zweiten Implementierung widmeten wir uns dann den Mädchen an der Schule. Im Rahmen dieser Phase unseres Projekts errichteten wir an der Schule ein großes Gebäude mit insgesamt 12 Toiletten und 4 Waschräumen für Mädchen. Das Gebäude wurde dabei in drei Bereiche gegliedert, die von unterschiedlichen Altersklassen genutzt werden. Bei der Anzahl der Toiletten orientierten wir uns an den Standards der WHO, die pro Toilette 45 Schüler:innen vorsehen. Die Technik der in der zweiten Implementierung gebauten Mädchentoiletten entspricht grundsätzlich der der Jungstoiletten.

2. Bauphase

Aus den Erfahrungen beim Bau der ersten Toiletten zogen wir wichtige Lehren. Wir stellten fest, dass die Gebäude robuster gebaut werden müssen. So wurden beispielsweise alle Rohrleitungen für Urin und Wasser in den Wänden oder unter einer zusätzlichen Betondecke verborgen. Außerdem ersetzten wir normale Wasserhähne durch Tap-Ausläufe, um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Die Urinkanister wurden nun unter den Waschräumen platziert und dadurch besser zugänglich gemacht. In den Jungtoiletten hatten wir sie in einem langen, niedrigen Gang platziert. Das machte die Entleerung unhandlich.

Außerdem gibt es Probleme mit den Kanistern an sich, da sie nicht besonders groß sein können, weil sie sonst zu schwer zum Tragen werden. Gleichzeitig aber doch groß genug sein müssen, um den Urin von einem Tag auffangen zu können. Ein regelmäßiges Entleeren ist bislang die beste Lösung. Zusätzlich planten wir weitere IBC-Tanks, um die größeren Urinmengen durch die neuen Mädchentoiletten lagern zu können. Bei der Evaluierung der bereits errichteten Jungtoilette stellten wir fest, dass die Kinder das neue Gebäude auch zum Spiel nutzen, da es auf dem Schulhof kaum Alternativen gab. Anfänglich gab es zudem Probleme bei der regelmäßigen Reinigung und Bereitstellung des Deckmaterials. Das versprachen wir jedoch gemeinsam und nach unserer Abreise berichtete Steven Bengana, dass sein Team bei regelmäßigen Besuchen eine deutliche Verbesserung beobachten konnte.

Neben den Toiletten veranlassten wir schon vor der zweiten Implementierung den Bau von zwei Kompostern, die nun während der Hausreise erstmals gemeinsam mit den Caretakers genutzt wurden. Nach einem theoretischen Workshop begannen wir, die Kammern zu entleeren und das Material mit Grünabfällen aus der Umgebung zu kompostieren. Einige Lehrkräfte nutzen dies direkt für praxisnahen Unterricht. Als Herausforderung ergibt sich jedoch, dass der Kompost regelmäßig gewendet und bewässert werden muss, um Bakterien zuverlässig abzutöten. Wir merken aber, dass dies für die Caretaker schwierig zu realisieren ist, denn sie haben zusätzlich einen vollen Arbeitstag als Lehrkräfte.

Komposter

Um trotzdem sicherzustellen, dass alle Grenzwerte eingehalten werden, bevor der Kompost verwendet wird, haben wir Labor-Tests geplant. Dies ist besonders wichtig, da die Schule großes Interesse daran hat, den Kompost zukünftig als Dünger einzusetzen. Ähnlich wie zur Ausreise nach der ersten Implementierung, führten wir auch dieses Mal wieder Workshops durch. Damit wollten wir sichergehen, dass die Sanitäranlagen langfristig gut funktionieren. Da für die in dieser Implementierung gebauten Mädchentoiletten weitere Verantwortliche ausgewählt wurden, bildeten wir sie zu Caretakers aus. Wir konnten beobachten, dass sie schon während unseres Aufenthalts zunehmend Verantwortung übernahmen und die Inhalte erfolgreich an die Kinder vermittelten.

Eine weitere Entwicklung, die wir beobachteten, war die steigende Überzeugung unseres Projektpartners Steven Bengana von den Trockentrenntoiletten. Anfangs war er skeptisch gegenüber den Toiletten, doch nach eigener Recherche und dem Besuch eines vergleichbaren Projekts änderte er seine Meinung grundlegend. Mittlerweile ist er einer der größten Befürworter dieser Technologie und setzt sich aktiv dafür ein, sie weiter in der Region zu verbreiten.

Nächste Schritte

Auch nach den beiden Implementierungen ist das Projekt an der St.-Mark-Kikandwa Grundschule noch nicht abgeschlossen. Eine Sache an der wir aktuell arbeiten, ist der Bau zusätzlicher IBC-Tanks zum Sammeln des Urins. Die IBC-Tanks die in einer früheren Projektphase gebaut wurden, reichen inzwischen nicht mehr aus unter anderem, weil wir mittlerweile mehr Trockentrenntoiletten gebaut haben. Wir rüsten deshalb nach. Der Bau ist vergleichsweise einfach umzusetzen und lässt sich gut aus der Ferne koordinieren. Hier ist unsere Partnerorganisation SUUBI vor Ort wieder besonders wichtig, da die Mitarbeiter:innen von SUUBI für uns zur Schule fahren und den Bau begleiten können.

Evaluation

Der letzte Schritt in unserem Projekt ist die abschließende Evaluation und sie ist zentral, um die Wirkung unserer Arbeit langfristig beurteilen zu können. Dabei orientieren wir uns an der Methode der wirkungsorientierten Projektplanung, die bereits von Beginn an den strukturellen Rahmen unseres Projekts gebildet hat. Gleich zu Projektbeginn haben wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation und den Projektteilnehmer:innen vor Ort die Ausgangssituation analysiert. Wo liegen die konkreten Herausforderungen? Welche Veränderungen wollen wir bewirken? Daraus haben wir Ziele und messbare Zielgrößen abgeleitet, sogenannte Outcomes, Outputs und dazugehörige Indikatoren.

Eines unserer Outcomes lautete, dass das Schulpersonal die Sanitäranlagen künftig selbstständig betreiben können soll. Der dazugehörige Indikator war der Anteil funktionaler Sanitäranlagen, basierend auf Beobachtungen und Gesprächen mit der Schule. Nun prüfen wir, ob dieses Ziel erreicht wurde. Und wenn nicht, woran es liegt und ob gegebenenfalls Nachbesserung nötig ist. Abhängig vom Evaluationsergebnis entscheiden wir schließlich, ob eine weitere Begleitung durch uns sinnvoll oder notwendig ist oder ob das Projekt vollständig in die Verantwortung der Schule übergehen kann. Wenn deutlich wird, dass die Schule die Trockentrenntoiletten dauerhaft akzeptiert und in Eigenregie betreibt, dann betrachten wir das Ziel als erreicht und das Projekt kann abgeschlossen werden.

Parallel zur Umsetzung unseres Projekts beschäftigen wir uns aktuell mit einem übergeordneten Thema, der Standardisierung der Trockentrenntoilettenbauten bei Ingenieure ohne Grenzen in Uganda. In der Projektarbeit vor Ort haben wir beobachtet, dass jede neue Projektgruppe und so auch wir, oft wieder bei Null beginnt und individuelle Lösungen für die jeweilige Schule entwickelt. Dieses Vorgehen ermöglicht zwar eine hohe Flexibilität, führt aber auch dazu, dass wertvolles Wissen verloren geht und viele Arbeitsschritte mehrfach durchgeführt werden müssen.

Standarisierung

Um diesen Prozess künftig effizienter zu gestalten, arbeiten wir daran, zentrale Elemente der Projektarbeit, etwa Workshopmaterialien, Baupläne oder Massenberechnung, systematisch zu sammeln, zu dokumentieren und in standardisierter Form zugänglich zu machen. Auf diese Weise möchten wir künftigen Projektgruppen eine belastbare Grundlage bieten, auf der sie ihre eigenen Konzepte weiterentwickeln können, ohne bei jedem Projektstart von vorn beginnen zu müssen. Der Impuls zu diesem Vorhaben kam von unserem lokalen Projektpartner, und wir teilen die Einschätzung, dass eine Standardisierung nicht nur innerhalb von IOG, sondern auch für andere Organisationen die im Bereich sanitärer Infrastruktur tätig sind, großen Mehrwert bringen kann. Zusammenfassend blicken wir mit Zufriedenheit auf unser Projekt zurück, gerade auch deshalb weil nicht alles reibungslos verlief. Genau solche Herausforderungen gehören dazu und bieten wertvolle Erfahrungen, die jeder und jede Einzelne für zukünftige Projekte mitnimmt.

Zum einen muss das Konzept eine grundsätzliche Akzeptanz in der Gemeinde finden. Dadurch, dass eine große Anzahl an Schüler:innen nicht nur lernt, die Toiletten zu benutzen, sondern auch die Vorteile und Funktionsweisen in Workshops kennenlernt, kann das Wissen und die Vorteile gegenüber anderen Toilettentechniken verbreitet werden. Genauso arbeiten wir mit den Baufirmen zusammen und versuchen eine Lösung zu finden, die sowohl unsere Planung als auch die ugandische Bauweise berücksichtigt. Durch einen stetigen Austausch vor während und nach der Umsetzung mit allen Beteiligten, auch der Baufirma, werden Wissen und Erfahrungen ausgetauscht.

Q&A
Wie sah der Planungsprozess aus?

Die Planung der ersten Toiletten die während der ersten Implementierung gebaut wurden, erfolgte aufbauend auf die Planung und Erfahrungen eines anderen IOG-Projekteams, das bereits trockentrennt Toiletten in Sierra Leone gebaut hatte. Die Planung der folgenden Toiletten, die während der zweiten Implementierung gebaut wurden, ist auf Grundlage der Erfahrung aus der ersten Implementierung weiterentwickelt worden. Der Planungsprozess der Jungentoiletten und der barrierefreien Toilette dauerte ca. 10 Monate. Beide Gebäude wurden in 3D modelliert, um das Vorhaben für andere Projektteilnehmer zu visualisieren.

Während des Planungsprozesses sind die Jungentoiletten auch statisch berechnet worden und es sind sowohl Entwurfspläne als auch Ausführungspläne erstellt worden. Die Planung erfolgte in einer Untergruppe Konstruktion innerhalb unseres Projekteams. Der Planungsprozess konnte für die Mädchentoiletten die während der zweiten Implementierung gebaut wurden, deutlich vereinfacht werden. Die Mädchentoiletten wurden nicht extra in 3D modelliert. Außerdem konnten die bestehenden Pläne zum Teil übernommen und angepasst werden. Trotzdem ist Zeit in die Detailplanung geflossen, die aufgrund der Erkenntnisse der ersten Implementierung angepasst wurde. In Summe dauerte der Planungsprozess der Mädchentoiletten ca. 6 Monate.

Wie wurde die Kompostierung umgesetzt?

Tatsächlich haben die Temperaturmessungen während der Kompostierung ergeben, dass wir im ersten Versuch nur über knapp 40°C gekommen sind. Die Kompostierung ist aber nur als eine Sicherheitsmaßnahme von mehreren zu sehen. Wir haben die Trockenmasse aus der Kotkammer nach der Lagerung im Labor testen lassen und festgestellt, dass bereits durch die Trocknung und die Asche drei von vier ausgewählten solchen hygienischen Parametern noch vor der Kompostierung unter den Grenzwerten aus der DIN SPEC 91421 liegen. Das ist eine Art Norm für die Verwendung von Produkten von Trockentoiletten im Gartenbau.

Bei dem letzten solchen hygienischen Parameter handelt es sich um ein sporenbildendes Bakterium, das entsprechend hartnäckig ist. Die Messung nach der Kompostierung hat ergeben, dass sich dieser Wert um etwa das 400-fache reduziert hat und die anderen Werte ebenfalls weiter abgenommen haben. Nach der Kompostierung ist dann die Crop Restriction eine weitere Sicherheitsmaßnahme, also die Beschränkung der Verwendung des Materials auf solche Pflanzen, die keinen direkten Kontakt mit dem Boden haben, zum Beispiel Bananenbäume statt Maniok. Insgesamt ist uns nochmal klar geworden, dass dem Personal das die Kompostierung durchführt, eine besonders wichtige Rolle zukommt und dass dieses gut geschult sein muss. Daran werden wir weiter zusammenarbeiten.

Wie sah die anfängliche Zusammenarbeit mit Engineers Without Borders aus?

Wir führten ausführliche Online-Meetings und tauschten uns ständig mit der Partnerorganisation vor Ort aus. Außerdem erstellten wir einen Fragenkatalog, den wir mit Engineers Without Borders USA besprachen. EWB USA hat selbst auch genügend Erfahrung, sodass die Methodik nicht besprochen werden musste und EWB überlassen wurde. Daneben führten wir Interviews. Der Leiter unserer Partnerorganisation, SUUBI Community Projects Uganda, der ständig vor Ort ist und mit dem es viel Austausch gab, übernahm die Kommunikation und war vor Ort Ansprechpartner für Rückfragen. Durch die langjährige Zusammenarbeit gab es schon einige Projekte, die wir gemeinsam durchgeführt hatten, die thematisch vergleichbar oder sehr nah waren. Daher war ein umfangreiches Verständnis bereits Vorhanden.

Wie wird der Dünger in der Praxis genutzt?

Dünger und Urin könnten entweder von der Schulgemeinschaft selbst verwendet werden, zum Beispiel im Schulgarten, an die Gemeinde abgegeben oder an Externe verkauft werden. Generell hat sich in Gesprächen herausgestellt, dass der entstehende Dünger ein großer Anreiz ist, da dieser sehr gefragt ist. Tendenziell steht die eigene Nutzung daher noch höher im Kurs als ein möglicher Verkauf. Bei anderen Toilettentechniken verursacht die Entleerung der Toiletten sogar Kosten, da ein externer Dienstleister einbezogen werden muss. Der Vorteil durch die Kostenvermeidung und den zusätzlichen Vorteil des Düngers ist ein oft genannter Pluspunkt bei allen Projektpartnern.